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Therapiebegleithund Malouk

Der Altdeutsche Hütehund ist fünf Jahre alt.

Als ich ihn das erste Mal beim Nachhaltigkeitsmarkt in Binsdorf erlebe, bin ich sofort begeistert. Sein Frauchen Andrea schaut sich bei einer Führung die Futterproduktion von Auenland an; Malouk darf derweil an meinem #imländle-Stand „parken“. Er schaut Andrea mit wachen Augen hinterher und legt sich ab. Ruhig und gelassen wirkt er. Ja, ich würde sagen, er hat eine fast schon beruhigende Wirkung. Mit seiner Anwesenheit kehrt eine angenehme Ruhe bei mir ein. Als die Führung vorbei und Andrea zurück ist, verabschiede ich mich wehmütig und nuschle noch irgendwas von „brav ist der Malouk gewesen“.  Eine Freundin von Andrea hört mich und erwidert kaum hörbar: „Als Therapiebegleithund muss er das sein.“ Dank ihr sitze ich wenige Tage später in einem mediterranen Garten irgendwo in Ebingen.

Malouk liegt unter dem Holztisch und Andrea erzählt von der Arbeit mit ihm.

Ihr Herz hat die Erzieherin schon vor langem an diese Rasse, den Altdeutschen Hütehund, verloren. Auch der Wunsch, gemeinsam mit ihrem Vierbeiner Menschen zu helfen, begleitete sie über Jahre. Mit Malouk war es dann so weit: Andreas Traum ging in Erfüllung. Über ein Jahr drückte sie mit ihm die Schulbank, denn jetzt hieß es büffeln. Jedes Wochenende. Sechs Mal sogar drei Unterrichtstage am Stück. Hausaufgaben gehörten wie die Leckerli ebenfalls zur Ausbildung dazu. Letztere sollte ein Therapiebegleithund übrigens nur mit Erlaubnis seines Besitzers futtern. Überhaupt ist ein Grundgehorsam und vor allem die tiefe Vertrauensbindung zwischen Mensch und Tier die unabdingliche Voraussetzung für die gemeinsame Therapiearbeit. Die Ausbildung schloss Andrea mit einer schriftlichen Konzeption erfolgreich ab, dann war das eingespielte Team bereit. Ganz einfach war es jedoch nicht, Arbeit zu finden.

Im ländlichen Raum gibt’s für den Therapiebegleithund noch kaum Wirkungsfelder.

Schade ist das, denke ich. Vor allem, als Andrea von der Wirkung ihres Hundes erzählt. Der ist mittlerweile, knapp drei Jahre später, ein alter Hase im Geschäft. Einmal in der Woche besucht er mit Andrea das Seniorenheim Augustenhilfe in Tailfingen. Da die Nachfrage seit Beginn groß ist, gibt es zwei Gruppen. Die erste besteht aus vier Senioren, die geistig und körperlich relativ fit sind. In der zweiten Gruppe treffen Hund und Frauchen auf sehr schwache und kranke Menschen.  Sie sind zum Beispiel bettlägerig oder haben ihr Gedächtnis fast vollkommen an die Demenz verloren. Der Vierbeiner passt sich instinktiv seinen Patienten an.

Er beruhigt, schenkt Nähe und Wärme und ist für jeden eine ganz besondere Bereicherung.

Gerührt bin ich, als mir Andrea von ihren schönsten Erfahrungen mit Malouk erzählt. Bei einer Einzeltherapie betreute sie zum Beispiel einen schwerbehinderten Patienten. Der Mann musste beatmet werden und war nicht bei Bewusstsein. Jedes Mal wenn der Hund in sein Krankenzimmer kam, gab es kein Halten mehr. Während Andrea rasch die Decke auf dem Bett ausbreitete, hüpfte Malouk zu dem Mann und legte sich neben ihn. Andrea bettete den Arm des Patienten über den Hund. So lagen sie dann dort. Nach einer Weile wurde die Atmung des Mannes deutlich ruhiger. Andrea konnte spüren und sehen, was für ein besonderer Moment das war.

Die Altenpfleger bestätigen den Einfluss, den der Hund auf die Menschen hat.

Vor allem Demenzkranken scheint sich Malouk einzuprägen. Wenn sein Name fällt, folgt eine Reaktion, die annehmen lässt, dass er ihnen trotz schwerster Demenz im Gedächtnis geblieben ist. Einige der Heimbewohner leiden an Depressionen. Ihnen machen das Alter, das Alleinsein und die Vergangenheit, die niemals wieder zurückkommen wird, zu schaffen. Egal wie schlimm der Tag gewesen ist: Wenn Malouk mit seiner kalten Schnauze vorsichtig die faltigen Handflächen anstupst, sieht die Welt gleich wieder anders aus.

Als Andrea von ihren Erfahrungen erzählt, bin ich zutiefst gerührt. Wie beruhigend und angenehm Malouks Anwesenheit sein kann, habe ich bei unseren Treffen deutlich gespürt. Wie schön wäre es, wenn Hunde wie er viele Möglichkeiten zum Wirken bekämen.

 

 

 

Kommt mit zu Malouk in den Garten: In Snapchat-Aufnahmen aus vergangenen Tagen erlebt ihr den Hund und sein Frauchen.

 

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