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Sternenmama

Sternenmama

Vor wenigen Wochen erreicht mich eine E-Mail. Eine junge Frau aus Balingen schreibt. Sie berichtet über den Tod und das Totschweigen. Darüber, dass ihr ein Schicksal widerfahren ist, das sich für sie nach Tabuthema anfühlt. Die 35-Jährige fragt sich, ob es #imländle Menschen mit einem ähnlichen Schicksal gibt.

Ende 2015 wird Lisa schwanger. Sie und ihr Mann sind glückselig. Aus zwei werden drei und eine kleine Familie. Jeder von uns, der Kinder hat, weiß, wie sich dieses besondere Abenteuer anfühlt. Eine werdende Mama ist in einer speziellen Situation. In ihr wächst Leben. Mit jeder Schwangerschaftswoche verändern sich das Äußere und der seelische Zustand. Die Hormone spielen verrückt. Hier und da ziept es, der Bauch wird immer größer und irgendwann spürt man das erste Mal sein Baby im Bauch. Die Väter, leicht unbeholfen in ihrer liebevollen Art, wachsen mit und meistern ihre neue Rolle und die Veränderung ihrer Frauen großartig. Gegen Ende der Schwangerschaft fiebern die werdenden Eltern dem Geburtstermin entgegen. Das Kind muss raus und rein in das neue Familienglück.

Mama und Papa sind bereit.

Lisa und ihr Mann sind bereit. Der Geburtstermin wurde für Mitte August 2016 errechnet. Zu Hause ist alles vorbereitet, das Kinderzimmer eingerichtet. Der Geburtsvorbereitungskurs geht in die letzte Runde. Fünf Tage vor dem Geburtstermin ist einer der letzten Kontrolltermine angesagt. Wie immer wird das CTG gemacht, Lisa liegt auf der Liege und freut sich über eine kleine, entspannende Auszeit. Leider hält die Freude nicht lange. Sie wandelt sich in Angst und Entsetzen. Der Doc holt Lisa mit ernstem Blick ins Untersuchungszimmer, um nach dem Herzschlag zu suchen, den das CTG nicht anzeigte. Es war still. Der Arzt findet nichts, schickt Lisa ins Krankenhaus. Dort bekommt sie die schreckliche Nachricht: Ihr Kind ist tot. Durch eine akute Plazentaablösung ohne Blutung oder sonstige Vorwarnung ist Lisas Baby in ihrem Bauch gestorben. Lisas Mann bricht noch im Krankenhaus zusammen. Sie selbst steht unter Schock und muss ihr Kind am folgenden Tag tot gebären. Als ihr Engel zur Welt kommt, ist es still im Kreissaal. Tränen und Trauer statt Freude und Glück. Die Eltern müssen sich von ihrem Baby verabschieden. Sie wollten es spüren, hören und in den Arm nehmen, stattdessen planen sie Beerdigung und Trauerfeier, wählen den Sarg aus und fahren auf den Friedhof. Stunden, Tage und Wochen vergehen. Die zwei funktionieren, resignieren und hängen fest in der Frage: Warum?

Eine kinderlose Mama sein.

Lisa lernt einige Zeit später vier andere Frauen kennen. Sie teilen ihr Schicksal. Sind „Sternenmamas“. Was für ein sanfter Ausdruck für ein so tragisches Schicksal. Sie tauschen sich aus, geben sich bis heute Kraft und das Gefühl, nicht allein zu sein, denn ansonsten fühlen sich die Betroffenen ziemlich allein. Nirgends ist eine Anlaufstelle zu finden, bei der sie professionelle Hilfe bekommen. Die Krankenkassen sind überfordert, als die Sternenmamas nach psychologischer Betreuung und finanzieller Unterstützung für sich und ihre Partner fragen. Der einzige Trost ist, dass sie sich gegenseitig aufbauen und füreinander da sind. Mittlerweile ist Lisa wieder Vollzeit berufstätig. Das Leben geht weiter, aber die große Wunde in ihrem Herzen ist nicht verheilt. Ihr Baby fehlt jeden Tag und das tut weh.

Für diesen Schmerz wünschen sich die tapfere Sternenmama und ihre Leidensgenossinnen mehr Empathie und konkrete Hilfestellung. Sie sind nicht die Einzigen. Es gibt viele, die ihr Schicksal teilen. Die Sternenmamas möchten andere Frauen #imländle ermutigen, gemeinsam die Trauer zu bewältigen. Wer also selbst solch eine tiefe Last im Herzen tragen muss: Melde dich, wenn du magst, per Mail unter imlaendle@web.de. Wir leiten deine Kontaktdaten vertraulich an Lisa weiter. Fühlt sich jemand verantwortlich, weiß, wo man Hilfe bekommt? Melde dich, wir nehmen deinen Tipp dankend an.

Liebe Lisa, vielen Dank für deinen Mut und dein Vertrauen. Ich wünsche euch tapferen Frauen und euren Männern alle Kraft der Welt, Lebensmut und Freude für all das, was noch kommen mag. #imländle stehen die Türen offen! #danke!

Petra

 

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1 Comment

  1. Meditation „Loslassen & Lebensmut“ – imlaendle.de

    31st Mai 2017 - 14:49

    […] einigen Wochen veröffentlichten wir einen berührenden Beitrag von einer Sternenmama. Lisa erzählte von ihrem tragischen Schicksalsschlag. Am selben Tag meldeten sich Frauen #imländle, die selbiges durchlebt hatten. Für all jene und […]

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