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Ein Monsieur im Ländle –  Madame kommt auf den Mops

Ein Monsieur im Ländle – Madame kommt auf den Mops

Kolumne Brezel trifft Baguette & Mops  I Silke Porath I Balingen

Schriftstellerin Silke Porath liefert uns amüsanten Lesestoff über ihren Monsieur. Schreibstoff liefert dieser wiederum täglich in der deutsch- französischen Ehe. Als ob das nicht genug wäre, schreibt Silke obendrein an ihrem neuen Buch. Den 4. Teil ihrer beliebten Mops- Serie. Dank dem Weltbild Verlag, dürfen wir uns jetzt schon über Auszüge aus ihrem Manuskript freuen.

Er ist viel kleiner als ich. Er ist total behaart. Er hat ziemlich viele Falten und einen ziemlich dicken Bauch. Ich bin verliebt. In Beaulieu Napoleon. So heißt er nämlich, der kleine Mopsmann, der Mitte November zu Monsieur und Madame ins französische Territorium einzieht und unsere beiden Fellnasen Rudi und Charlie aus der trauten Zweisamkeit reißt.

Monsieur ist ein bisschen eifersüchtig. Jetzt schon. Dabei kennen wir Beau bislang nur von Fotos. Aber mal ehrlich: selbst wenn mein Monsieur in seinem nettesten französischen Akzent säuselt – ein zuckersüßes ‚Hach‘ hört er von mir selten. Und meine Kinder wollen ihn auch eher selten kraulen oder mit Leckerchen füttern.

Aber da muss mein Gallier jetzt durch. Schließlich schreibe ich Bücher über Möpse. Im Moment das vierte. Ich bin seit Sommer ins Mops-Universum abgetaucht. Inklusive viel Recherche, vielen Gesprächen mit Mopseltern und Mopstreffen. Damit im Buch alles seine ringelschwänzige Richtigkeit hat. In der ersten Auflage des ersten Bandes nämlich wog der Mops 28 Kilo. Ich konnte noch nie mit Zahlen, aber selbst mir Mathe -Niete wurde von Lesern glaubhaft übermittelt, dass solch eine Wumme dann doch eher ein Rollmops wäre.

Jetzt muss also ein echter her. So ein Mops ist auch viel praktischer als ein Lama, über das ich auch schon geschrieben habe. Ein Lama auf dem Sofa braucht ganz schön viel Platz. Ich musste Monsieur versprechen, dass ich nicht alles adoptiere, über das ich mir mal einen Roman ausgedacht habe. Schuhe oder Kaninchen gingen ja noch. Aber ein Priester oder ein Mörder wären im Alltag ziemlich unbrauchbar. Von einer ganzen Mannschaft an Tatort-Kommissaren oder Schwiegermüttern mal abgesehen.

Es führte also quasi kein Weg am Mops vorbei. Ehe der hier den Haushalt okkupiert, muss ich aber noch ganz viel schreiben. Über einen Mops, klar. Und weil #imländle die nettesten Fans hat, hat der Verlag Weltbild erlaubt, dass Ihr schon mal einen klitzekleinen Blick ins erste Kapitel werfen dürft. Sozusagen die Plattnase reinstecken, ehe seine Hoheit Earl of Cockwood kommendes Jahr wieder seine Menschen auf Trab hält.

Mopsfidele Grüße!

Eure Silke 

mops-und-weltbild-imlandle

 

Leseprobe

Wie halten andere Frauen das bloß aus? Earl klingt, als würde er gleich ersticken. Mudel rasselt leise vor sich hin. Arne lässt das Zäpfchen gegen den Rachen krachen und Zita schnurpselt den Atem so schwungvoll ein, dass sie beim Ausatmen pfeift. Zugegeben, ohne die Lärmkulisse wäre das ein super süßes Bild: mein Liebster liegt mit Babyzita auf der Brust auf dem Sofa, rechts und links flankiert von Mops Earl und dessen Sohn Mudel, einer kuriosen Mischung aus Mops und Pudel, gezeugt im Sandkasten eines Stuttgarter Spielplatzes.

Doch, es sieht niedlich aus. Eigentlich. Aber ich bin in jenem Stadium von müde, in dem es schon zu anstrengend ist, überhaupt nur zu blinzeln. Und vom Geräuschpegel mal abgesehen – haben die Vier daran gedacht, dass Tanja auch einen Platz zum Pennen braucht? Immerhin habe ich seit gefühlt sieben Wochen keine Sekunde Schlaf bekommen. Und sehe übrigens auch so aus, aber das ist mein kleinstes Problem. Denke ich, bis ich an der Wohnung gegenüber klingele und mein Ex-Mitbewohner Chris die Tür öffnet. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, überkommt mich der Wunsch, die Zeit ein bisschen zurück zu drehen, als er und sein Mann Rolf noch meine WG-Kumpel waren, als meine Wochenenden aus Prosecco bestanden und als meine Augenringe noch nicht aussahen wie luftleere Lkw-Reifen.

„Du siehst scheiße aus“, stellt Chris fest und lässt mich eintreten. „Und du riechst…“

„Nach Babykotze“, vervollständige ich. Es scheint an der Bauart von Säuglingen zu liegen, dass nach dem Einfüllen von 200 ml Milch gute 300 wieder rauskommen. Bei meiner Tochter jedenfalls scheint die Evolution eine Klappe zum Schließen des Magens vergessen zu haben.

„Eau de Maman!“, flötet Rolf aus der Küche. „Kaffee für meine Prinzessin?“ Ehe ich Ja sagen kann, rattert das Mahlwerk los.

„Intravenös am besten“, seufze ich und lasse mich auf meinen alten Stammplatz am Küchentisch plumpsen. „Euren Hunden geht es übrigens Bombe“, füge ich matt hinzu.

„Danke fürs Aufpassen.“ Chris haucht mir ein Küsschen auf die Wange und ich könnte ihn knutschen. Dafür, dass er das tut und dafür, dass er nicht die Nase rümpft. Denn zum säuerlichen Geruch ausgekotzter Milch kommt noch das, wonach frau eben so riecht, wenn sie die Dusche seit gefühlten drei Tagen nur von Außen gesehen hat. Ich will gar nicht wissen, wie meine Haare aussehen. Wahrscheinlich wie ein Besen nach der Kehrwoche in der Schmalzfabrik.

„Köln war so, so schön“, schwärmt Rolf und stellt die Kaffeetasse vor mir ab. „Und schau mal…“ Er wischt über den Handybildschirm und hält mir dann das Gerät vor die Nase. „Ist das nicht romantisch?“

Ich sehe ein knallrotes Schloss, eines von Tausenden, die die Hohenzollernbrücke irgendwann vor lauter Liebesschwüren zum einstürzen bringen werden. Das Schloss trägt die Inschrift „Rolf & Chris forever“. Ziemlich verschwommen, wie ich erst denke. Dann merke ich, dass mir die Tränen über die Wangen rollen.

„Das war ein wirklich schöner Jahrestag“, sagt Chris und reicht mir die Großpackung Kleenex.

„Das freut mich so für euch“, schniefe ich. Ich ziehe die Nase hoch und will die beiden anlächeln. Aber statt eines lustigen Tanja-Grinsens kommt ein unglückliches Heulen aus meiner Kehle.

„Ach du liebe Güte.“ Chris steht auf und legt die Arme um mich. „Du bist ja völlig fertig.“

„Ich… kann… nicht mehr“, heule ich. Wahrscheinlich nicht sehr originell, welche Mutter mit einem sechs Monate alten Baby hat nicht ab und zu den Blues? Andererseits ist das hier mein Blues. Mein Leben. Sollte es zumindest sein. Ich nippe am Kaffee.

„Ich will mein Leben zurück“, flüstere ich. „Versteht mich nicht falsch, ich liebe Zita, aber…“

„… du bist hundemüde.“ Rolf nimmt mir den Kaffeepott ab und zieht mich hoch. Als er mich in den Arm nimmt und gegen seine Brust drückt, bekomme ich zwar für einen Moment lang keine Luft, fühle mich aber gleich wieder besser. Ein bisschen jedenfalls.

„Komm.“ Chris bugsiert mich in mein altes Zimmer, das noch fast so aussieht, wie zu unseren WG-Tagen. Unter dem runden Fenster, dessen Scheibe eine Frau im Tiffanystil aus buntem Glas ist, steht mein altes Bett. Und genau da rein stecken mich meine Jungs. Decken mich zu. Hauchen mir jeder ein Küsschen auf die Stirn und befehlen mir, die Augen zu schließen. Das tue ich auch und noch ehe die beiden aus dem Raum geschlichen sind, falle ich in ein sehr tiefes, sehr dunkles und sehr schläfriges Loch.

 

 

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