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Ein Monsieur im Ländle „Bummeln mit Bisous“

Ein Monsieur im Ländle „Bummeln mit Bisous“

Kolumne Brezel trifft Baguette  I Silke Porath I Balingen

Meinen Monsieur und mich sieht man selten gemeinsam im Städtle. Das heißt: Wir verlassen gemeinsam das Haus. Fahren im selben Citroen in die City. Steigen gleichzeitig aus. Und gehen die ersten paar Meter auch Hand in Hand. Bis mein Monsieur jemanden trifft, den er kennt. Oder der ihn kennt. Monsieur ist bekannt wie ein bunter Hund. Also trifft er immer wen.

Bei der ersten Begegnung bleibe ich meistens noch dabei. Bisous hier, Küsschen da. Laberrhabarber. Franzosen haben viel mehr Vokabeln zur Verfügung, als wir Schwaben. Also dauert so ein kurzes Hallihallo unter Freunden auch doppelt so lang. Na, irgendwann reißt sich der Gesprächspartner los, Meistens dann, wenn er oder sie merkt, dass Madame mit den Füssen scharrt. Demonstrativ auf die Uhr schaut. Die Augen rollt. Oder einfach mal nonchalant winkt und schon mal weiter läuft Richtung Innenstadt.

Das ist der Moment, in dem mein Monsieur und ich uns trennen. Denn er kommt nicht weit, keine zwanzig Meter später ist da wieder jemand, der meinen bunten Hund kennt. Der geknutscht werden muss. Dem Monsieur mal eben ganz kurz ein französisches Öhpdäht geben muss. Ich kann derweil ganz entspannt in den ersten zwei, drei Boutiquen bummeln. Bis ich drei Hosen und vier Blusen anprobiert habe, ist Monsieur meistens fertig mit Ratschen und Tratschen.

Manchmal aber auch nicht. Dann gehe ich eben weiter. Noch ein paar Läden, hier und da winke ich jemandem, der mich begrüßt und bei dem ich mich allermeistens frage, ob der mich wegen mir kennt oder weil ich Madame bin. Was soll ich sagen, ohne mich zu blamieren? In neunundneunzig Prozent der Fälle erkundigen sich die Leute nach meinem Mann. Immerhin kann ich denen sagen: „Wenn du genau hier stehen bleibst, kommt er auch. So in einer halben Stunde oder so.“

Mit der Zeit habe ich Strategien entwickelt. Was ich in der Wartezeit tun kann, wenn alle Shops abgeklappert sind. Ich setze mich dann in unser Lieblinsgcafé und trinke einen, zwei oder manchmal auch drei Espressi. Spätestens wenn es dämmert kommt Monsieur dann auch. Sieht mich fragend an und wundert sich, warum meine Hände zittern. Seufzt. Bestellt sich einen Kaffee. Und sagt auf die Frage, was es denn Neues gibt: „Nischts.“ Ist klar. Er hat ja auch nur mit zwanzig Leuten gesprochen. Da erfahren Männer – selbst wenn sie Franzosen sind – nie, was los ist.

Übrigens. Das ist nicht nur in Balingen so. Neulich waren wir in Südfrankreich. Gingen abends an der Promenade spazieren. Ich sah dabei aufs Meer, romantischer orangeroter Sonnenuntergang und so. Als ich mich wunderte, warum es neben mir so still war, sah ich … niemanden. Erst als ich mich umdrehte. 50 Meter weiter hinten busselte mein Monsieur ein Touristenpärchen ab. Die ihn kennen. Weil er ja ein bunter Hund ist. Demnächst fahren wir wieder in Ferien. Ich bin gespannt, wie viel Espressi ich da trinken muss.

Brezel trifft Baguette

Silke Porath und ihr Monsieur leben in Balingen – bekannt ist ihr Ehemann aber überall wie ein bunter Hund.

Save the date: Am 11.06.2016 liest Silke Porath aus ihrem Krimi „Klosterkeller“. Tatort ist das wundervolle Cafe la Gare in Balingen. Zur Veranstaltung geht es hier.

Mehr #imländle

Ein Monsieur #imländle

Text/ Copyright Bildmaterial: Silke Porath

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