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Weihnachten im Krankenhaus

Weihnachten im Krankenhaus

Das Türle  „Weihnachten im Krankenhaus“ wird euch präsentiert von der Zollernalb Kinikum gGmbH. Ulrike Erath schenkt euch am Ende des Beitrages eine Videobotschaft mit einer wundervollen Weihnachtsgeschichte.

 

Unsere Petra hat Ulrike Erath im Zollernalb Klinikum in Balingen besucht. Die Seelsorgerin lässt uns an ihren Erfahrungen in der LEA Meßstetten und in der Klinik teilhaben. Ihr erfahrt, wie im Krankenhaus die Adventszeit gelebt und Weihnachten gefeiert wird.

„Es gibt da diese Familie“, sagt Frau Erath. „Sie kommt seit Jahren am 24. Dezember ins Krankenhaus und singt für unsere Patienten.“ Die Seelsorgerin lächelt. „Das ist Annehmen und eine schöne Art, Aufmerksamkeit zu schenken.“
Ich stelle mir vor, wie die Familie vor kranken Menschen steht, ihnen ihr Ständchen bringt und so Fremden eine kleine Freude schenkt, und bekomme Gänsehaut. Was für eine schöne Idee. Ich habe ein gutes Gefühl dabei. Seit mich Frau Erath vor einer knappen halben Stunde in ihrem Seelsorgebüro im Zollernalb Klinikum begrüßt hat, springen meine Gefühle wie ein Flummi zwischen Traurigkeit, Mitgefühl und Glücksgefühl hin und her.

Die Traurigkeit stellt sich mit Ulrike Eraths Erzählungen über ihre Zeit in der LEA Meßstetten ein

Vor ihrer Tätigkeit als Seelsorgerin im Klinikum Balingen arbeitete die Pastoralreferentin in der LEA. Sie betreute Familien, Frauen und Kinder in der Erstaufnahmestelle.
Vor einer der größten Herausforderungen stand sie, als sie in die erwartungsvollen Augen von zwei Kindern schaute. Sie waren mit ihren Eltern und zwei Geschwistern aus ihrer Heimat geflohen und warteten nun auf deren Ankommen und auf die Geborgenheit von Mama und Papa. Ulrike Erath musste den beiden schonend beibringen, dass das Boot mit ihrer Familie bei der Überfahrt gekentert war und niemand überlebt hatte.

Bei solchen Erzählungen fehlen mir die Worte. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, wie grausam Schicksale wie diese sein müssen

Für Frau Erath waren es nach der Schließung der LEA Erfahrungen wie diese, die sie dazu bewogen, weiter für Menschen da zu sein, die mit Angst und Not zu kämpfen haben.
Seit knapp einem Jahr ist sie im Zollernalb Klinikum in Balingen als Seelsorgerin tätig. Neben ihrem Beruf als Religionslehrerin am Balinger Gymnasium und ihrer Aufgabe in der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde hilft sie Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern, mit dem, was ihnen zu schaffen macht, klarzukommen. Die 56-Jährige hat den großen Vorteil, dass sie sich dafür viel Zeit nehmen kann. Sie steht den Menschen mit Mitgefühl, Verständnis und Anregungen zur Seite.

Frau Erath baut Pfeiler für die Brücke der Versöhnung

Oft sind es die Pflegekräfte, die ihr den Tipp geben, dass Gesprächsbedarf besteht. Frau Erath besucht die Kranken auf ihren Zimmern und spürt mit viel Empathie, wenn es einer Seele nicht gut geht. Manchmal erzählen ihr die Leute binnen wenigen Minuten ihre komplette Lebensgeschichte. Es scheint, als suchte man in Zeiten der Krankheit ganz besonders nach tiefgründigen Antworten. Vielleicht, weil es um die Grenze zwischen Leben und Tod geht. Vielleicht, weil an einem Ort wie dem Krankenhaus die Ruhe herrscht, die man braucht, um eine persönliche Bilanz zu ziehen und das Leben neu auszurichten. Wenn es ungeklärte Verhältnisse gibt, zum Beispiel in der Familie, übernimmt Frau Erath gerne die Vermittlung. Dann ruft sie schon mal beim Sohn oder bei der Schwester an und baut mit ihrer Fürsorge Pfeiler für die Brücke der Versöhnung.

In ihrem Büro steht ein großer Adventskranz auf dem Sideboard

Während wir uns unterhalten, fällt mir der große Adventskranz auf dem Sideboard in dem kleinen, hellen Zimmer auf. Ich nehme ihn zum Anlass, um zu fragen, wie die Adventszeit im Klinikum gelebt wird. Frau Erath lächelt: „Wie Sie sehen, legt das Haus viel Wert auf weihnachtliche Dekoration. Die Türen, Stationen und Wartehallen werden geschmückt. Jeder sieht, dass eine besondere Zeit angebrochen ist.“

Gibt es außer der Deko noch andere Dinge, die Besinnlichkeit ins Krankenhaus bringen?

„Wir bekommen Besuch von Kindergärten und Vereinen. Das ist großartig. Die Menschen kommen zu uns und singen für die Patienten und das Personal. Ansonsten herrscht weiterhin auch der Alltag im Haus.“ Während Frau Erath erzählt, überlege ich, warum ich selbst noch nie den persönlichen Kontakt zu fremden Menschen, die sich über Aufmerksamkeit freuen, gesucht habe. Ganz sicher, was ich tun kann und will, bin ich mir nicht. Aber ich traue mich, mit der nächsten Frage zaghaft anzufangen.

Mir geht die am Anfang erwähnte Familie nicht mehr aus dem Kopf

„Wie wird Weihnachten generell gefeiert?“, frage ich. „Kann jeder dem Krankenhaus einen Besuch abstatten, wie diese Familie das seit Jahren macht?“ Ich glaube, Frau Erath freut sich über mein Interesse. Bevor sie darauf eingeht, erzählt sie, wie die Tage vor dem Fest, der Heilige Abend und die Feiertage im Zollernalb Klinikum ablaufen. „Kurz vor Weihnachten gehen mein Team und ich durch die Zimmer und bieten den Patienten die Durchführung der Krankenkommunion und das Feiern des Abendmahls an. Das Angebot wird von vielen wahrgenommen und fühlt sich sehr besonders an. Am 20. Dezember veranstalten wir eine Weihnachtsfeier für und mit den Patienten und ihren Angehörigen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag findet um 10 Uhr ein Weihnachtsgottesdienst mit musikalischer Begleitung von Frau Prof. Irmgard Priester statt. Den Gottesdienst habe ich dieses Jahr, nach langer Pause, wieder eingeführt.“

Jeder, der kann, darf nach Hause

Frau Erath sagt, es gibt die eiserne Regel, dass jeder, der will und bei dem es möglich ist, über die Feiertage entlassen wird und nach Hause kann. Als ich das höre, kommt ein kleines Glücksgefühl in mir auf. Ich stelle mir vor, wie lachende Menschen mit Köfferchen, Rollatoren und Rollstühlen in Scharen das Haus verlassen, um mit ihren Lieben Weihnachten zu feiern. In dieser Zeit werden sogar ganze Stationen geschlossen und zusammengelegt.

Übrig bleiben die Schwerstkranken, die Alleinstehenden und leider auch diejenigen, für die es bei der Verwandtschaft keinen Platz gibt. Mit diesem Wissen blicke ich Richtung Heiliger Abend und frage mich, wie erträglich still die stille Nacht für diese Menschen ist.

„Wissen Sie, Frau Nann, manch Alleinstehender genießt es, über die Tage hier zu sein“, sagt Frau Erath. „In der eigenen Wohnung wäre niemand, sie wären alleine und würden sich einsam fühlen.“ Ich bin froh, dass sie spürt, worüber ich nachdenke, auch wenn die Traurigkeit in diesem Moment wieder überwiegt.

Ich erfahre, dass auf Station eins Heiligabend im Speisesaal gefeiert wird. Auf dieser Station liegen vor allem ältere Menschen, die über einen längeren Zeitraum im Krankenhaus sind. Man isst und trinkt gemeinsam und singt Weihnachtslieder. Auf anderen Stationen gab es früher ähnliche Veranstaltungen. Mit zunehmender Belastung und dem damit verbundenen Zeitdruck ist es dem Personal nicht mehr möglich, so eine kleine Feier anzubieten. Ich hoffe inständig, dass die Zeit dafür in Zukunft wieder gefunden und vor allem gegeben werden kann.

Eine der schönsten Antworten bekomme ich, als ich wissen möchte, wie die Personalbesetzung an den Feiertagen geregelt ist

„Viel zu regeln gibt es nicht“, erfahre ich von der Seelsorgerin. „Wir sind immer voll besetzt. Viele der Mitarbeiter wollen an solchen Tagen bei ‚ihren‘ Patienten und für sie da sein.“
Die Gänsehaut macht sich wieder breit.

Die Antwort auf mein persönliches Anliegen, ob Hilfe von anderen willkommen ist, regt zum Nachdenken über die eigene Feiertagsgestaltung an: Jeder, der helfen möchte, ist willkommen. Egal ob man eine Weihnachtsgeschichte auf dem Krankenhausflur vorliest, Plätzchen verteilt oder einfach einen kleinen Gruß dalässt – die Türen des Klinikums stehen offen. Bei Interesse kann man sich bei der Zentrale melden und den Besuch ankündigen. Wie einfach Helfen sein kann, denk ich und gehe gleichzeitig im Kopf meine Feiertagsplanung durch. Ob ich nicht doch eine halbe Stunde Zeit für ein bisschen mehr Geben habe?

Bevor ich mich von Frau Erath verabschiede, erfahre ich, dass sie selbst vor vielen Jahren den Heiligen Abend als „Patientin“ im Balinger Krankenhaus verbracht hat. Ihr heute erwachsener Sohn kam am 24. Dezember zur Welt. An jenem Nachmittag spielte im Klinikpark der Posaunenchor und sie begrüßte in dieser besinnlichen Stimmung ihr Neugeborenes. Die besondere Atmosphäre trägt sie bis heute in ihrem Herzen, sagt sie.

Ulrike Eraths Weihnachtswunsch ist ein Appell zur Menschlichkeit

Frau Eraths persönlichen Weihnachtsgruß trage wiederum ich seit unserem Gespräch im Herzen, und ich möchte ihn mit euch teilen:

„Ich wünsche allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und dass wir die Botschaft ‚Dass Gott als Mensch zu uns kommt‘ wirklich verstehen. Dass Gott Mensch wird, heißt auch für uns, dass wir Mensch bleiben und werden sollen auch im Umgang miteinander.

Mein Weihnachtswunsch ist, dass wir alle menschlich miteinander umgehen.“

Die Menschlichkeit durfte ich bei der Begegnung und in den Erzählungen von Frau Erath erfahren. Auch wenn meine Gefühlswelt Achterbahn gefahren ist, gehe ich mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch heraus. Ich bewundere ihr aufrichtiges Interesse und ihre Tatkraft,  anderen in schweren Zeiten zur Seite zu stehen.

Mein Fazit ist, dass wir uns alle inspirieren lassen können, egal ob an Weihnachten oder zu anderen Jahreszeiten. Jedes Jahr zählt 365 Tage. Genug Zeit, um zwischendurch eigene kleine Bilanzen zu ziehen. Wir könnten zum Beispiel das Nehmen hinterfragen und uns ab und an bewusst für das Geben entscheiden.

 

Und nun viel Freude mit der kleinen Weihnachtsgeschichte von Ulrike Erath.

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