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Notfall Schlaganfall!

 

 

 

 

Wir besuchen die Stroke Unit im Zollernalb Klinikum in Albstadt. Geplant ist die simulierte Behandlung einer Schlaganfallpatientin. Unser Drehtag hat kaum begonnen, da holt uns die Realität ein: Wir werden Zeuge eines echten Notfalls.
Hier erfahrt ihr mehr über unseren eindrücklichen Krankenhaustag – und nach dem Lesen wisst ihr, was im Ernstfall zu tun ist.

Ich für meinen Teil setze mich ungern mit Krankheiten auseinander. Auch der Besuch eines Krankenhauses steht nicht auf meiner Wunschliste – es sei denn, ich darf einen neuen Erdenbürger begrüßen. Dann sieht die Sache anders aus. Alles andere verdränge ich. Weil ich gesund sein will, und meine Familie, meine Freunde und am liebsten alle anderen auf der Welt sollen es gefälligst auch sein.
Mein Wunsch nach einer heilen Welt entspricht nicht der Realität. Die Realität entspricht nicht meinem Wunschdenken. Das ist mir bewusst. Viele Menschen sind betroffen und hinter jedem Leidensweg stecken ein Schicksal, eine Familie, Hoffnung und Trauer.

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Wir verzeichnen bundesweit etwa 270.000 Schlaganfälle im Jahr. In der Stroke Unit des Zollernalb Klinikums werden jährlich rund 500 Schlaganfallpatienten behandelt.* Die spezielle Schlaganfallstation wurde nach dem Schlaganfallkonzept des Sozialministeriums Baden-Württemberg eingerichtet. Sie ist seit 2017 zertifiziert und umfasst fortschrittliche, geprüfte Behandlungsmethoden.

* Quelle: Zollernalb Klinikum gGmbH

Wir besuchen die Schlaganfallstation im Zollernalb Klinikum in Albstadt.

Dort begleiten wir den Neurologen Erhard Pluto und den leitenden Arzt der Stroke Unit Dimitrios Vasilakis bei ihrer Arbeit. Geplant ist, dass wir verschiedenste Behandlungsstationen begleiten, den Ernstfall simulieren und die Symptome des Schlaganfalls kennenlernen.

Im Schnitt vergeht in der Abteilung kein Tag ohne einen Notfall.

Als mir an meinem Krankenhaustag die Häufigkeit der Diagnose bewusst wird, bin ich bedrückt und hoffe, dass die Statistik nicht über uns hereinbricht. Dimitrios Vasilakis’ Bericht über einen 28-jährigen Schlaganfallpatienten, der vor wenigen Wochen eingeliefert wurde, schockiert mich. Der Notfall macht vor keinem Alter halt. Während mir bewusst wird, dass ich schleunigst mehr über die Symptome erfahren muss, werden unsere Dreharbeiten unterbrochen. Die Realität bricht über uns und die Theorie herein: Ein Krankenwagen fährt in die Notaufnahme.

Notfall! Plötzlich passiert das, was ich gerade erst zu begreifen beginne.

Schwestern und Ärzte wuseln um uns herum. Ich springe von meinem Stuhl und verdrücke mich in den Flur. Kurz darauf wird ein Herr mit grauen Haaren auf einem Krankenbett in das Behandlungszimmer geschoben. Ihm folgt eine ältere Dame mit besorgtem Blick und einer Sporttasche in der Hand. Bestimmt seine Frau. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Die Tür fällt vor meiner Nase zu. Ich stehe immer noch im Flur, genau da, wo ich mit meiner gelebten Verdrängungsstrategie nicht hinpasse.
Nach knapp zwanzig Minuten steckt der Neurologe Pluto seinen Kopf durch die Tür: „Sie können reinkommen, der Patient ist einverstanden.“
Mit ist mulmig. Stefanie und ich gehen in den Behandlungsraum zurück und wir lernen Albert und seine Frau Elisabeth kennen.

Albert ist bei Bewusstsein. Vor seinem Bett steht ein Gerät mit einem Bildschirm. Ein Experte aus der Freiburger Telemedizin ist per Live-Übertragung zugeschaltet. Seltsam, denke ich, als ich beobachte, wie er Albert aus 140 Kilometern Entfernung behandelt. Albert beantwortet die Fragen des Experten, versucht den tauben Arm zu heben und folgt allen weiteren Anweisungen. Gemeinsam mit den Ärzten im Zollernalb Klinikum legt der Freiburger die weiteren Behandlungsschritte fest. Nach einer knappen halben Stunde verabschiedet er sich. Albert darf eines der sechs Zimmer in der Stroke Unit beziehen.

Die Genesungschancen stehen gut. Ich bin beruhigt.

Und ich bin froh, dass ich dabei sein durfte. Das Gefühl von Angst und Hilflosigkeit ist weg, ich fühle mich gut aufgehoben. Wir machen mit dem #imländle-Dreh weiter und durchlaufen vom CT und der Ultraschalluntersuchung über die OP bis hin zur Ergotherapie alle Stationen der möglichen Behandlungsmaßnahmen. Als Stefanie mit unserer Patientin, die im echten Leben kerngesund ist, die Arbeit der Ergotherapeuten filmt, flitze ich ins Erdgeschoss zum Krankenhauskiosk. Mit Zeitschriften, Brezeln und Getränken fahre ich mit dem Aufzug zurück in den 4. Stock. Die Tür von Alberts Zimmer steht offen. Er liegt im Bett, Elisabeth sitzt neben ihm am Fenster. Beide lächeln mit müdem Blick. Ich darf reinkommen und Elisabeth erzählt von ihrem anstrengenden und bewegenden Tag.

„Wir saßen beim Frühstück, haben gelacht und Quatsch gemacht. Albert hat Kaffee nachgeschenkt und gesagt, dass sein Arm taub ist.“ Elisabeth zieht die Augenbrauen hoch. „Sie müssen wissen, er hatte schon mal einen Schlaganfall.“
Ich nicke. Ich weiß von Herrn Pluto, dass das Risiko hoch ist, einen weiteren Schlaganfall zu erleiden: innerhalb eines Jahres bei 13,5 %, nach 5 Jahren bei fast 40 %, nach 10 Jahren bei fast 55 %.
Albert holt mich aus meinen Gedanken an sein Krankenbett zurück. „Meine Frau hat schneller den Sanka gerufen, als ich meinen Kaffee leer trinken konnte.“
Elisabeth lächelt. „Jetzt sind wir froh und erleichtert. Schauen Sie mal, Albert kann seinen Arm schon wieder bewegen.“

Das Ehepaar findet die Idee gut, dass wir #imländle Aufklärungsarbeit leisten.

Sie stimmen zu, als ich frage, ob wir die Aufnahmen für unser Video nutzen dürfen. Sein Gesicht mag Albert nicht zeigen. Das hätten wir vorher klären müssen, dann wäre er davor noch zum Friseur gegangen. Wir lachen jetzt alle und ich kann spüren, wie unglaublich erleichtert die beiden sind. In diesem Moment wird mir bewusst, wie unverantwortlich meine Verdrängungshaltung ist. Elisabeth wusste, wie wichtig es ist, schnell zu handeln. Sie erkannte die Symptome und wählte die 112.
Jede Sekunde zählt.
Die optimale Diagnostik und Therapie brauchen ein Zeitfenster von 4,5 Stunden. Wenn ich nicht weiß, wie ernst die Lage ist, kann ich nicht handeln, geschweige denn helfen.

Wenn ich einen Notfall wegen meiner Heile-Welt-Theorie nicht erkenne, kann ich meine Welt gerade dadurch zerstören.

Und wieder bin ich an dem Punkt, an dem ich meine Einstellung überdenken muss. In einem Krankenhaus gibt es mehr Erfolgsgeschichten als die Geburtenrate. Mir wird bewusst, dass Wissen und Aufklärung unumgänglich sind, damit wir einen Notfall erkennen und rechtzeitig handeln können.

Am Abend sitzen wir, mit mehr Wissen und vielen neuen Eindrücken, mit Dimitrios Vasilaliks und Erhard Pluto auf der Terrasse der Cafeteria. Auch die Ärzte lächeln und freuen sich über Alberts rasche Genesungsfortschritte. Auf meine Frage, wie sie mit dem Krankenhausalltag umgehen, werden sie nachdenklich. Wir wären nicht Mensch, sagen sie, würde uns das Schicksal unserer Patienten kaltlassen. Unser Job ist es, souverän und mit all unserem Fachwissen und unseren Möglichkeiten zu behandeln und zu heilen.

Ich bin dankbar, dass ich den Tag im Krankenhaus erleben durfte.

 

Mein Vertrauen in die Arbeit der Ärzte, aber auch in mich selbst ist enorm gewachsen. Übrigens: Unser Schlaganfallrisiko können wir täglich minimieren. Dafür sollten wir unsere Lebensgewohnheiten kritisch betrachten und im besten Fall ändern:

 

Rauchfrei: Lasst uns mit dem Rauchen aufhören!

 

3-mal die Woche Bewegung zelebrieren: Lasst uns regelmäßig Wandern, Walken, Joggen oder Schwimmen gehen – egal was der Schweinehund dazu sagt.

 

Gesunde Ernährung: Lasst uns langsam, aber sicher unsere Ernährung überdenken und umstellen.

 

Ganz wichtig ist es, im Ernstfall die Symptome zu erkennen und keine Zeit zu verlieren:

 

Sprach- und Sprechstörungen

 

Halbseitenlähmung, Taubheitsgefühl

 

Schwindel mit Gangunsicherheit

 

sehr starker Kopfschmerz

 

Vielen Dank allen, die uns den Einblick in die Stroke Unit des Zollernalb Klinikums ermöglicht haben. Albrecht und Elisabeth*, ich wünsche euch alles Gute, Gesundheit und einen wundervollen Sommer #imländle.

 

 

 

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

 

 

Hinter jedem #imländle-Beitrag stecken viel Planung, Zeit und Leidenschaft. Darum ist gewerbliches Storytelling nicht kostenlos.
Die Themen werden mit Bedacht und verantwortungsvoll gewählt. Egal ob bezahlt oder nicht, der #imländle-Lesestoff ist immer authentisch und mit viel Herzblut geschrieben.
An dieser Stelle herzlichen Dank für das Vertrauen und den Einblick in Ihre Arbeit, liebes Team von der Zollernalb Kinikum gGmbH. Schön, dass wir gemeinsam #imländle Geschichte schreiben.

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