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Jetzt kochet die Hundefutter – gohts no?

 

 

 

 

Über eine Frau, die mit 14 Jahren die Schule abbricht und zu Hause auszieht. Der Grund: Sie ist Pferdenärrin und will näher bei den geliebten Vierbeinern sein. Ihre Lebensgeschichte führt sie nach Ostdorf und zu ihrem Ehemann Leo, ebenfalls ein Spinner, wie manche damals sagten. Heute schüttelt keiner mehr den Kopf über die Gründer der Tierfuttermanufaktur Auenland-Konzept. Viel Spaß mit einer beispiellosen Erfolgsgeschichte #imländle Gänsehautfeeling garantiert.

Die heute 59-jährige Angelika Stifel wächst in Miesbach in Oberbayern auf. Als junges Mädel verbringt die Pferdenärrin ihre Sommerferien 1974 auf einem Bauernhof bei Ravensburg. Sie genießt jede Minute mit den Vierbeinern, liebt die Stallluft, das Reiten und die Arbeit mit den Pferden. Nach Bayern zurückgekehrt, fasst die 14-Jährige zum Entsetzen ihrer Eltern einen Entschluss:

„Ich breche die Schule ab, ziehe nach Ravensburg und fange auf dem Hof eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Hauswirtschafterin  an.“

Ihre Eltern fallen aus allen Wolken, aber der Entschluss stand fest. Alle in der Familie, auch Angelikas Brüder, sind Akademiker und Künstler. Wie kann der junge Hüpfer solche Flausen im Kopf haben? Angelika setzt ihren hübschen Dickkopf durch, der Papa lenkt ein. Wenn das Mädchen nach der Ausbildung den Realschulabschluss macht, darf sie gehen. Gesagt, getan. Angelika packt ihre Koffer, reist ab, geht auf dem Bauernhof in die Lehre und schließt diese nach zwei Jahren erfolgreich ab. Papas Wunsch hat die junge Frau nicht vergessen. Sie setzt sogar einen drauf, macht das Abi und beginnt in Nürtingen Landbau zu studieren. Während des zweiten Semesters wird sie schwanger. Sie bricht das Studium ab und zieht mit ihrem damaligen Ehemann auf dem Gestüt Ancole von Günter Kraut in Balingen ein. Aus einem werden drei Kinder. Die Sprösslinge genießen eine unbeschwerte Bilderbuchkindheit. Tochter Anna erinnert sich gerne an die Zeit im Engelestäle: „Für uns war das herrlich. Wir waren immer draußen, auf dem Hof und den Obstwiesen unterwegs. Trieben Kühe von der Weide, ritten auf unseren Ponys oder sammelten die reifen Äpfel ein.“

1996 beginnt sie eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin.

Zwei Jahre später hat sie den Abschluss in der Tasche und eröffnet in Ostdorf ihre eigene Praxis. Mit jeder Behandlung lernt Angelika dazu und ihre vierbeinigen Patienten besser kennen und verstehen. Immer wieder kommt ihr der Gedanke, dass der Schlüssel zur Genesung in einer ausgewogenen, artgerechten Ernährung in Verbindung mit chinesischer Medizin liegen muss. Sie tüftelt an eigenen Rezepturen und schreibt sie ihren Klienten auf Notizzettel. Die nehmen dankend an und kochen für ihre Hunde und Katzen nach Anleitung.

Angelika hat recht: Fast immer geht es den Tieren nach der Futterumstellung deutlich besser.

Bei den Tierbesitzern ist die Freude genauso groß wie der Aufwand. Eine Dose aufzumachen ist schneller erledigt, als hingebungsvoll den Kochlöffel zu schwingen. Angelika erkennt das Problem und macht sich auf die Suche nach einem Futterhersteller, der ihren Ansprüchen gerecht wird. In diesem Fall bleibt der Erfolg aus. Bei ihrer Recherche stolpert sie über Fleischabfälle und künstliche Geschmacksverstärker – und resigniert. Was sie will, gibt es nicht. Ihr große Liebe und heutiger Ehemann Leo sieht es pragmatisch: „Wenn es nichts gibt, dann lass es uns selbst machen.“
Leo war als kleiner Bub immer dabei, wenn im Dorf irgendwo geschlachtet wurde – und auch Dosen eingekocht wurden. Der Mann weiß zumindest, wie man Dosenwurst macht. Würde das ausreichen? Sicher ist sich Angelika nicht, also wird Plan B geschmiedet. Die zwei suchen einen Metzger, der die Produktion übernimmt.
Fehlanzeige.

Keiner der Metzgerherren will sich seine Finger mit Tierfutter schmutzig machen.

Mit einem alten beheizbaren Kessel von Leos Bruder kommt Plan A wieder auf den Tisch, besser gesagt in den Holzschopf. Angelika zückt ihre Rezepturen, an denen sie über ein Jahr gearbeitet hat: zwei Sorten für Hunde und eine Sorte für Katzen. Sie kauft Dosen und Zutaten ein. Leo kümmert sich um einen kleinen Produktionsraum und das Veterinäramt erteilt die Genehmigung für die Futterherstellung.

Am 2. Januar 2002 werfen die beiden bei –20 Grad den Ofen an.

Bis morgens um vier schaffen sie bei klirrender Kälte, was das Zeug hält, und füllen die ersten 200 Auenland-Dosen ab. Angelika beklebt sie mit eigens entworfenen Etiketten und verkauft alle binnen kürzester Zeit. Mit dem Kochen kommt sie kaum hinterher, die Ware ist verkauft, noch während sie produziert wird. An einem Wintertag kommt zufällig der Metzger Eberhard Höhn, ein Freund der Familie, an Angelikas Kochstube vorbei. Als er den alten Kessel sieht, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen und leiht kurzerhand den beiden seinen Elektrokessel. Damit wird’s leichter. Angelika kocht, verkauft und sitzt nebenher nächtelang am PC. Sie gestaltet einen Onlineshop bei 1&1, kümmert sich um die Buchhaltung und die Bestellungen, verpackt Pakete, bedient ihre Kunden im kleinen Auenland Lädle in Ostdorf und bastelt am Design der Etiketten.

Endlich ist der Winter vorbei und der Sommer kehrt #imländle ein. Bei Auenland platzen die Dosen.

Mit der bisherigen Ausstattung kann Angelika lediglich Halbkonserven produzieren. Die sind maximal ein halbes Jahr haltbar und müssen gekühlt werden. In der Wärme platzen die Dosen und ein großer Teil der mühseligen Arbeit war umsonst. Zum Jammern bleibt keine Zeit. Ein Druckkessel muss her, die Anschaffungskosten liegen bei 20.000 Euro. Die Banken wollen von einer dreifachen Mutter, die Tierheilpraktikerin ist und ein bisschen Fleisch kocht, nichts wissen.

Für Angelika stellt sich die Frage: Weitermachen?

Bei einem Einkauf im Metzgereibedarfsladen Ziegler in Dornhan findet sie die Antwort: einen zwanzig Jahre alten Druckkessel für kleines Geld Sie kauft das Ding, handelt eine Ratenzahlung aus und stottert monatlich 500 Euro ab. Endlich können sie Vollkonserven produzieren. Der Traum vom gesunden Tierfutter ist nicht mit den Dosen geplatzt.

Im dritten Auenland-Jahr produziert das zweiköpfige Team mit viel Handarbeit und wenig Schlaf 40.000 Dosen.

Jedes Etikett wird einzeln mit UHU aufgeklebt. Dabei hilft am Wochenende die ganze Familie. Die Nachfrage ist groß. Bevor das Lager aufgefüllt werden kann, ist es schon wieder leergekauft. Angelika stößt körperlich an ihre Grenzen. In den Fingern plagt sie Arthrose und der Rücken schmerzt. Auch Leo überkommen Zweifel. Einen Businessplan haben sie nie geschrieben. Ob sich die gute Sache wirklich lohnt, hat nie jemand nachgerechnet.

An einem Freitagabend irgendwann im Jahr 2006 bricht Angelika weinend zusammen. Sie ist am Ende ihrer Kräfte.

Während Leo seine Frau tröstet, findet er die Lösung: „Ich mach meine Schlosserei dicht, wir bauen sie um und wir machen unser Auenland miteinander“. Der Mann hält sein Wort, schließt die gut laufende Schlosserei und baut die Räume binnen sechs Wochen zur Tierfuttermanufaktur um. Die bösen Nachreden interessieren ihn nicht, das Kopfschütteln der Leute tut er mit einem Schulterzucken ab. „Jetzt macht der seinen Laden dicht und kocht für sein Weib Hundefutter – der spinnt!“ Und wie Leo spinnt. Er setzt sich mit seiner Frau ins Auto, fährt nach München und geht bei einer Unternehmensauflösung für 10.000 Euro auf Shoppingtour. Wieder auf Raten, wohlgemerkt, werden eine Abfüllmaschine, ein Mischer, eine Mischwanne und zwei Waschbecken gekauft. Angelika und Leo stellen eine Mitarbeiterin ein.

Jetzt geht es mit Auenland richtig los.

In diesem Jahr, dem Jahr des Schlosserei-Spinners, schreibt das Unternehmen beste Zahlen. Der Spaß an der guten Sache fängt an, sich zu lohnen.

Heute schreiben wir das Jahr 2017. Im vergangenen Jahrzehnt ist einiges passiert.

Mittlerweile gibt es bei der Tierfuttermanufaktur Auenland mehr als 25 Futtersorten und weitere 200 Produkte für Hunde, Katzen und Pferde .

Das Sortiment wird ständig Flockenmischungen und Nahrungsergänzungsmittel erweitert. Tochter Anna ist seit 2012 dabei und übernimmt immer mehr Aufgaben im elterlichen Betrieb. 2015 ist das Unternehmen mit seinen zehn Mitarbeitern in einen wundervollen Neubau mit großer Produktionshalle, Lager und Shop in Binsdorf gezogen. 2016 fand zum ersten Mal der Nachhaltigkeitsmarkt im neuen Gewerbegebiet statt, der dieses Jahr mit großem Erfolg wiederholt wurde.
Leo arbeitet weiterhin Vollzeit in der Produktion mit. Als leidenschaftlicher Motorradfahrer würde er gerne mehr Zeit auf der Straße verbringen, und in der Hoffnung, dass sich ein passender Mitarbeiter findet, sieht er seinen Roadtrips freudig entgegen. Angelika gibt langsam, aber sicher das Zepter an ihre Tochter ab. Sie selbst führt es zurück zum Ursprung, dort, wo alles begann.

Als Pferdenärrin genießt sie jede Minute mit ihren Vierbeinern. Sie liebt die Stallluft, das Reiten und die Freizeit mit ihren Pferden.

 

 

Hinter jedem #imländle-Beitrag stecken viel Planung, Zeit und Leidenschaft.
Darum ist gewerbliches Storytelling nicht kostenlos.
Die Themen werden mit Bedacht und verantwortungsvoll gewählt. Egal ob bezahlt oder nicht, der #imländle-Lesestoff ist immer authentisch und mit viel Herzblut geschrieben.
An dieser Stelle herzlichen Dank für das Vertrauen und die spannenden Erfahrungen, liebes Team von Auenland-Konzept. Schön, dass wir gemeinsam Geschichte #imländle schreiben.

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