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Ich bin dann mal weg.



Was ist Capoeira?


Meine Begegnung mit Samuel Koch

An einem Donnerstagabend sitze ich mit 229 anderen Menschen auf einer der schmalen Holzbänke in der Endinger Kirche. Jeder Platz ist belegt. Ein seltener, aber schöner Anblick. Auf der „Bühne“ sitzt Samuel Koch. Am Keyboard spielt sein Bruder Jonathan, Mirjam Thöne singt.

Samuel liest aus seinen Büchern.

Ich erlebe ein Wechselbad der Gefühle. Bei manchen Textpassagen bin ich erschüttert, bei anderen kann ich mir das Kichern nicht verkneifen. Während er liest, klingelt in einer der vorderen Reihen ein Handy. Samuel unterbricht, blickt auf und will wissen: „Sollen wir kurz Pause machen, möchtest du rangehen?“ So in etwa und mit voller Aufmerksamkeit geht er auf alles ein, was während unserer gemeinsamen Zeit in der kleinen Dorfkirche passiert.

Nach knapp zwei Stunden verabschieden sich Samuel & Friends von der Bühne.

Was bleibt, ist ein bleibender Eindruck des Erlebten. Einen Bruchteil von Samuels Leben und seinen täglichen Herausforderungen durfte ich heute kennenlernen. Ich muss unbedingt die Bücher lesen. Während sich die Kirche langsam leert, drehen sich meine Gedanken wie ein Spielkreisel um Samuel Koch. Videoreporterin Stefanie und ich sitzen mittlerweile in einer der vorderen Reihen. Wir warten auf das Interview. Um uns herum wird abgebaut. Jonathan sitzt am Keyboard, spielt inzwischen einfach nur für sich, und ich notiere Fragen, auf die ich mir von Samuel Antworten erhoffe. Der ist nach draußen gerollt, um mit seinen Fans ins Gespräch zu kommen. Allzu lange kann das nicht dauern, denke ich, während ich Samuels Bruder beim Spielen beobachte.

Was Jonathan Koch wohl für ein Mensch ist?

Jonathan wirkt freundlich und zurückhaltend. Gerne würde ich aufstehen und zu ihm rübergehen, ein bisschen mehr von ihm erfahren, aber ich traue mich nicht. Zeit hätten wir genug gehabt: Samuel hängt ewig draußen ab. Mit Smalltalk kann das nichts mehr zu tun haben. Der funktioniert anders und vor allem schneller. Als Samuel endlich zurück in die Kirche rollt, begrüßen wir uns noch mal und er sagt, er kenne mich schon von den Videos auf dem #imländle-Blog. Damit habe ich nicht gerechnet, und ja, ich freue mich sehr über sein Interesse. Neben mir steht der Handymann von vorher. Samuel schaut ihn an und sagt: „Ich bin Samuel Koch. Freut mich, dich kennenzulernen. Wer bist du?“ „Ich bin der Alex“, sagt der Handymann erfreut. „Sag mal, Alex, wer hat da vorher angerufen?“ Ich lächle. Da ist sie wieder, die volle Aufmerksamkeit.

Samuel und ich sitzen im Scheinwerferlicht.

Für das Interview setze ich mich neben Samuel ins Scheinwerferlicht. Er möchte wissen, wie das mit der #imländle GmbH funktioniert und wie es dazu kam, dass Stefanie bei uns arbeitet. Langsam stört es mich, dass das Gespräch vor laufender Kamera stattfindet. Stefanie nervt mit ihrem „Jo, ich bin so weit, macht mal einen Toncheck“. Zu gern hätte ich mich „ganz normal“ mit Samuel unterhalten, seine Fragen beantwortet und meine nach Gefühl gestellt. Irgendwie glaube ich zu verstehen, warum es in seiner Welt keinen Smalltalk gibt. Weil er schlichtweg nichtssagend ist und es unter der Oberfläche viel mehr zu entdecken gibt. Gleichzeitig frage ich mich, ob diese besondere Art der Empathie, die dieser Mensch mit wachem Geist in sich trägt, ab und an anstrengend für ihn ist. Und umgekehrt hinterfrage ich mich selbst: Wie viel Empathie kann ich seinem Leben überhaupt schenken?

Wir sprechen von einem Schicksal, das meine Vorstellungskraft bei weitem übersteigt.

Überlegt doch mal. Wenn auf meiner Handfläche eine Fliege sitzt, wische ich sie weg und denke nicht darüber nach, ob das ein Segen ist. Wenn ich unbequem im Bett liege, drehe ich mich um. Wenn mein Kopf voll ist, gehe ich raus in die Natur und jogge ihn leer. Just in diesem Moment dreht sich der Gedankenkreisel in meinem Kopf immer schneller. Mir fallen tausend Situationen ein, die mir selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Darf ich überhaupt in dieser Form darüber nachdenken? Die Wertigkeit dieser „kleinen Dinge“ aufgrund eines Menschen schätzen lernen, der sie (zumindest im Moment) verloren hat? Ich erkenne am Leid eines anderen, wie gut es mir geht. Ist das nicht fies? Nein, ist es nicht, denn:

So einfach komme ich bei Samuel Koch Gott sei Dank nicht davon.

Als ich nach unserem Treffen schlaflos im Bett liege, trifft mich die Erkenntnis wie ein Geistesblitz: Nicht ich bin es, die die Fragen stellt. Er ist es. Samuel schmettert mir mit seiner Persönlichkeit zwei elementare Fragen vor die Füße, und zwar so charmant, dass es nicht wehtut.

Erstens: Wer bin ich?

Was bleibt, wenn all das, was mich – nach meinem Verständnis – ausmacht, nicht mehr ist? Wie sieht mein Kern aus? Habe ich eine gesunde Basis oder stützt sie sich auf äußere Bedingungen? Kann meine Hoffnung im schlimmsten Fall sterben und stirbt mit ihr der Sinn und letztendlich mein Sein?

Zweitens: Woran glaube ich?

Was, wenn ich falle? Stürze ich oder fängt mich jemand auf? Warum hoffen wir und wo hört Hoffnung auf? Oder sind Glaube, Liebe und Hoffnung unendlich, und gibt es da jemanden, der uns vor der grausamen Endlichkeit schützt? Auch wenn ich die Antwort für mich gefunden habe – bin ich in guten und in schlechten Zeiten standhaft in meinem Glauben? Wo fangen die schlechten Zeiten wirklich an?

Langsam begreife ich: Es ist nicht Samuels Querschnittslähmung, die mich in die Knie und zur Dankbarkeit zwingt. Ich bin zutiefst dankbar für die Chance, die mir Samuel Koch mit seinem beispiellos gesunden und wachen Geist bietet. Dank Menschen wie Samuel und seiner Familie, die uns mit ihrem Glauben, ihrem Mut, ihrer Intelligenz und ihrer Persönlichkeit an ihrem Schicksal teilhaben lassen, erhalten wir, egal in welchen Umständen, die Einladung, nach (weiteren) Antworten zu suchen – und die Chance, sie zu finden. Ob wir die Einladung annehmen, dürfen wir frei selbst entscheiden. Ich für meinen Teil sage ja. Die Fragen und Gedanken, die Samuel Koch in mir aufgeworfen und nach vorn gebracht hat, sind für mich eine Chance, mich selbst und meinen Glauben besser kennenzulernen. Ich nehme sie dankend an. In diesem Sinne:

„Ich bin – es freut mich, dich kennenzulernen. Wer bist du?“

 

 

 

 

Kommt mit nach Endingen und schaut euch die Snapchat-Aufnahmen aus vergangenen Tagen an.

 

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