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Capoeira – Kampf der Sklaven

Marios lebt mit seiner Familie in Balingen. Neben seinem Job als Jugend- und Heimerzieher ist er Capoeira-Trainer. Wie er vor vielen Jahren die Kampfkunst kennengelernt hat und warum er Capoeira in Balingen etablieren möchte, erzählt er in diesem Beitrag. Heute reisen wir nach Brasilien und erfahren mehr über die Entstehungsgeschichte der Capoeira.

Ihr Ursprung ist brasilianisch. Menschen aus dem süd- und mittelafrikanischen Gebiet der Bantu-Sprachfamilien wurden im Mittelalter als Sklaven nach Amerika verschleppt. Und nicht nur dorthin. Egal ob Chinesen, Ägypter, Griechen oder Römer, jeder konnte die billigen Arbeitskräfte gut gebrauchen.

Die Verschiffung der Sklaven war wahrscheinlich eine der blutigsten in der Geschichte. Wer die Reise überlebte, musste auf Plantagen arbeiten.

Dabei standen Vergewaltigungen, Schläge und Ermordungen auf der Tagesordnung.  Manche konnten fliehen, wenige wurden freigelassen. Die Freiheit ohne Gegenleistung brachte oft den Tod mit sich.  Wer sich freikaufen konnte, hatte mehr Glück. Jene unabhängigen Sklaven taten sich zusammen und flohen gemeinsam in den brasilianischen Dschungel. Eine der größten Siedlungen (Quilombo) in der Geschichte war die von Palmares im heutigen Bundesstaat Alagoas. Dort lebten mehr als 30 000 freigekommene Sklaven. Die Bantu-Kultur, zu der Capoeira zählt, konnte dort endlich angstfrei gelebt werden. Gehen wir heute nach Afrika und suchen nach Spuren der Capoeira, werden wir im Staat Angola fündig. Die ursprüngliche Kampfkunst wird N’golo, Nigolo oder Engolo  genannt. Übersetzt heißt das Zebratanz. Bei Engolo können wir davon ausgehen, dass sie der Suche nach einem Bräutigam diente. Dabei wurde wie bei der Capoeira im Kreis und mit musikalischer Begleitung gekämpft. Der Sieger durfte die Tochter des Häuptlings heiraten.

Jetzt aber zurück nach Brasilien. Dort war die Capoeira übrigens bis zum Jahr 1937 verboten.  Danach entstanden zwei wesentliche Stilrichtungen. Mit Mestre Pastinha wurde die anfängliche Philosophie der Kampfkunst bewahrt. Capoeira Regional mit Mestre Bimba war die moderne Strömung, die sich schließlich in der Welt des Kampfsports etablierte.

Das Spiel der Capoeira Angola erinnert an eine Showeinlage mit viel Musik, Tanz und Gesang. Der tragische Hintergrund liegt auf der Hand. Wegen der grausamen Unterdrückung der afrikanischen Kultur mussten sich die Sklaven unauffällig verhalten, darum tanzten sie mehr, als dass sie kämpften. Sangen Lieder über christlich-katholisch-portugiesische Heilige, niemals über Orishas (Höhere Naturwesen, Götter). Die Sklaven ritualisierten, versteckten und verheimlichten alles, was den Kolonialherren nicht gefiel. Verständlich, schließlich ging es um Leben und Tod.

Die Menschen wollten nicht sterben, sie wollten leben. Genau das spürt man in der Ausübung von Capoeira Angola deutlich. Angola ist ein altes Spiel, das sich am Leben orientiert.

 

 

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Der Beitrag über Marios und seine Leidenschaft für Capoeira wurde von der Atelier Türke Firmengruppe gefördert. Der Geschäftsführer Frank Türke ist selbst begeisterter Sportler und trainiert wöchentlich für seine Fitness und Gesundheit. Dank der finanziellen Unterstützung des Unternehmens können wir die Story #imländle veröffentlichen. Vielen Dank dafür.

 

 

 

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1 Comment

  1. Was ist Capoeira? – imlaendle.de

    8th Aug 2017 - 8:31

    […] So entstand Capoeira Angola. Wenn ihr mehr über die Geschichte erfahren wollt, schaut euch auch diesen Beitrag an, aber lasst uns heute in der Gegenwart […]

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