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Was ist Capoeira?


Es waren einmal die Danamer Krawallos

Es waren einmal zwei junge, gut aussehende Herren, die sich einen Traum erfüllten: Sie liehen sich zwei Fasnetshäs und fuhren mit dem Narrenverein Maurochen nach Albstadt. Dort wollten sie beim Umzug mitlaufen. Welch ein Fest, welch eine Vorfreude. Bevor es losging, heizten Peter und Reiner ihre Stimmung im Festzelt und zum Takt der Kapelle auf. Wie gut es tat, den Rhythmus im Blut zu spüren und die Hüften zur Musik kreisen zu lassen! Genau so, wahrscheinlich sogareinen Tick galanter, würden sie gleich durch die Albstädter Straßen schwofen. Der Umzug konnte beginnen. Die Herren waren bereit. Gemeinsam mit den Thanheimer Maurochen reihten sie sich in den Zug der Narren ein, grinsten sich ein letztes Mal zu, zogen die schweren Holzmasken über und juckten los. Dann passierte etwas, was das Leben der zwei Männer drastisch verändern sollte: Auf halber Strecke ging ihnen ihr geliebter Hüftschwung verloren. Weit und breit war keine Musik zu hören, die ihre Leidenschaft entfachte. Wehmütig spähten sie durch die geliehenen Masken, ließen die Schultern hängen und verfielen in eine starre, ausdruckslose Gangart. Die sonst so lebensfrohen Jungs überkam eine Traurigkeit, die den gelebten Traum mit einem viel zu leisen Gschmäckle überschattete. Genau an jenem Nachmittag im Jahr 2005 wurden aus der Stille heraus die „Danamer Krawallos“ geboren. Peter und Reiner waren sich einig: Sie mussten eine Rhythmusgruppe gründen.

Nie wieder sollte ihr Hüftschwung auf dem Asphalt verloren gehen.

Im Herbst desselben Jahres organisierte Peter für auserwählte Kameraden das erste Treffen. Ein Brainstorming quasi. Reiner ersteigerte eine Trommel bei eBay und es konnte losgehen. Auf der Einladung wurde explizit darauf hingewiesen, dass es um den Spaß vor und während der Fasnet ging, dass kein Verein gegründet werden würde und dass bis dato nicht klar war, wer die Krawallos überhaupt waren. Das Ziel hingegen wurde in dem Schreiben deutlich formuliert: „Wir versuchen mit zum Teil selbst gebauten Instrumenten interessante Rhythmen zu erstellen, zum Beispiel Samba, Mambo oder Rumba. Wir wollen gute Kameradschaft und keinen Stress.“ Zehn Männer nahmen an dem historischen Auftakttreffen der Krawallos im Gasthaus Traube teil. Reiner weihte seine große Trommel ein und die anderen wurden von Peter mit weiteren Rhythmusgeräten versorgt. Es dauerte keine fünf Minuten und alle begannen zu spielen.

Da behaupte mal eine, die Mannsbilder lungerten in ihrer Freizeit heimlich im Baumarkt oder am Stammtisch herum. Von wegen! Die treffen sich zum fröhlichen Musizieren und um den Hüftschwung zu zelebrieren.

Nach der ersten spontanen Probe baute Peter Instrumente wie Schüttelrohre, Gurken, Woodblocks und sogenannte Coco Bells. Das Treiben der Trommeltruppe sprach sich derweil im Flecken herum. Immer mehr Männer schlossen sich den Krawallos an. Die Proben wurden in Reiners Werkstatt verlegt und es wurde fleißig geübt. Nach acht Treffen und unzähligen schrägen Tönen war die Mannschaft im Dezember 2005 bereit für ihren ersten öffentlichen Auftritt.Heuer ist die Gruppe achtundzwanzig Mann stark. Peter erfindet und baut immer wieder neue Instrumente, um neuen Klang in die Gruppe zu bekommen. Reiner trommelt heute wie damals mit bester Laune und aus tiefster Überzeugung. Die Danamer Krawallos sind auf zahlreichen Fasnetsumzügen gern gesehene Gäste, spielen auf Hochzeiten und Geburtstagen. Als wir die Männer mit dem SWR-Team bei einer ihrer Proben in Bisingen besuchen, finde ich ziemlich geil, was ich höre. Spüre den Rhythmus und beginne sachte die Hüften zu schwingen. Wir unterhalten uns, Michi filmt und die SWR-Crew fängt ein paar Szenen für den Landesschaubeitrag über #imländle ein. Mit funkelnden Augen überreicht mir Peter einen prall gefüllten Leitz-Ordner. „Da steht alles drin“, sagt er.

Einige Tage später setze ich mich mit einer Tasse Kaffee auf meine Couch und blättere durch den Ordner. Peter hat von der Entstehung über die selbst gebauten Instrumente bis hin zu den Auftritten akribisch Tagebuch geführt. In Form von Texten, Bildern, Zeitungsberichten und CDs. Selbstverständlich kann ich im Märchenstil und mit zwinkerndem Auge über die Krawallos berichten. Sie werden es mir nicht übel nehmen, weil sie selbst den Spaß quasi erfunden haben. Aber ich möchte die Chance nutzen und ein tiefgründiges Fazit ziehen: Aus einer Fasnetslaune heraus entstand eine Idee, die nun schon seit über einem Jahrzehnt am Leben ist. Mit ihr eine einmalige Kameradschaft, sicherlich auch mit Höhen und Tiefen, und vor allem eine glückselige, vom Rhythmus geprägte Fasnetszeit. Für solch eine Hingabe kann Frau nicht einfach mal kurz vorbeischauen und es gschwind gut und geil finden. Das hat mehr und die volle Aufmerksamkeit verdient. Darum bin ich sehr dankbar, dass ich über die Jungs schreiben darf.

Auf die Frage nach dem Sinn, der hinter solch einer zeitaufwendigen Freizeitgestaltung steckt, gibt es eine einfache Antwort: Spaß am Leben.

Sinnvoller kann Mann seine Zeit kaum nutzen.

Video: Michael Maiber

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