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Ein Monsieur im Ländle –  Monsieur feiert Weihnachten

Ein Monsieur im Ländle – Monsieur feiert Weihnachten

Kolumne Brezel trifft Baguette & Mops  I Silke Porath I Balingen

Schriftstellerin Silke Porath liefert uns amüsanten Lesestoff über ihren Monsieur. Schreibstoff liefert dieser wiederum täglich in der deutsch- französischen Ehe. Als ob das nicht genug wäre, schreibt Silke obendrein an ihrem neuen Buch. Den 4. Teil ihrer beliebten Mops- Serie. Dank dem Weltbild Verlag, dürfen wir uns jetzt schon über Auszüge aus ihrem Manuskript freuen.

Bald ist es wieder so weit und mein Monsieur öffnet das letzte Türchen an seinem Adventskalender. Weil seine Madame der Meinung ist, dass auch ein Gallier nie zu alt für einen Adventskalender ist, hat er natürlich einen bekommen. Mit ein paar Hintergedanken, klar. Ich bin ja eine Frau. Und eine Schwäbin. Das tägliche Öffnen der Überraschung ist also quasi ein Countdown für den Herrn im Haus. Je weniger übrig sind, desto dringender muss mein liebster Franzose sich auf die Jagd nach Weihnachtsgeschenken machen.

Franzosen sind auch nur Männer. Irgendwie. Weswegen das auch für meinen Monsieur Zeit hat bis zum 24. Dezember. Die Läden sind da ja bis mindestens Mittags geöffnet. Es reicht also, um 11 aus dem Bett zu kriechen, zwei, drei Tassen Kaffee zu trinken und dann gemütlich in die City zu fahren.

Viel, enorm und mäschtisch wichtiger ist da die Planung des Menüs für den ‚eiligen Aböhnd. Würstchen mit Kartoffelsalat? „So eine Zoigs ess isch nisch!“ Mein schwacher Einwand, dass eben dieses Gericht Familientradition ist und außerdem heftig viel Zeit an einem ohnehin voll gepackten Tag spart, klammert der mir angetraute Gallier komplett aus. Schließlich ist nur einmal im Jahr Noel und da muss geschlemmt werden. Im Moment reicht die Planung von Gänseleber über Jakobsmuscheln bis hin zu dicken Steaks und aufwändigen Beilagen sowie einem Dessert, das göttlich klingt, aber teuflisch viel Arbeit macht. Am besten natürlich alles auf einmal. Siebzehn Gänge. Danach Verdauungskoma. Eigentlich praktisch, denn wenn unsere drei Kinder bis Silvester mit der Verdauung beschäftigt sind, können wir uns die Geschenke sparen. Bei Monsieurs Einkaufszettel wird die Haushaltskasse ohnehin jaulen.

A pro pos. Bei uns jault es seit gut drei Wochen dreifach. Endlich, endlich ist unser Mops bei uns eingezogen. Die Züchterin nannte ihn Buddy. Was gar nicht geht, wenn man einen Franzosen als Mann hat, denn der nennt ihn sonst ‚Böhdi‘. Was auf eine Unterbekleidung für Damen schließen lässt. Madame hat also das Hirn angeschmissen und da es ein B-Wurf ist, musste ein Name mit B her. Unser Baby heißt also Beaudelaire Napoléon. Einmal weil er schön ist, dann nach dem berühmten Dichter und außerdem benimmt sich der Fratz wie eine Kampfmaschine. Die nicht mal ein Gallier so richtig ernst nehmen kann – denn der Mops ist kein Hund, sondern irgendetwas zwischen Marzipanschwein und Clown.

Und er stiehlt meinem Monsieur komplett die Show. Der wollte neulich nur mal kurz zur Bank. Und blieb drei Stunden lang verschollen. Weil sich zwei Dutzend Bankerinnen um den Mops geschart, ihn auf den Tresen gesetzt und Selfies gemacht hatten. Als Monsieur irgend wann mit einem nach unzähligen Parfums stinkenden Mops wieder nach Hause kam, war sein einziger Kommentar: „Die gücken alle nur nach die kleine Ringelschwohnz.“

Ich habe Monsieur angemessen getröstet. Mit einem mit französicher Büttähr bestrichenen Baguette. Und dann habe ich den Metzger meines Vertrauens angerufen und sechs Paar Bratwürste für den 24. geordert. Schließlich ist unser Mops irgendwie auch ein Schwabe. Und als solcher kommen praktische Geschenke unter den Baum.

Übrigens: Monsieur und Madame machen Winterpause. Wir müssen unseren Familienzuwachs stubenrein bekommen. Und den vierten Band der Mopsreihe fertig schreiben. Zum Trost gibt es an dieser Stelle noch ein Reinschmeckerle für die Leser von #imländle. Bleibt mopsfidel, wir lesen uns bald wieder!

 

 

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Leseprobe

Auszug ©Silke Porath 2016 mit freundlicher Genehmigung des Weltbild-Verlags

 

Den Rest des Nachmittags haben wir im Garten verbracht. Mit allem, was so dazugehört. Chris, der im ersten Berufsleben Florist war, hat mit seinen Blumen und Büschen gesprochen, sie gehegt und gepflegt und dabei von Rolf zu hören bekommen, dass der bei so viel Liebe zum Grünzeug  auch Blätter haben will. Mops und Mudel haben sich um das Umgraben des hintersten Beetes gekümmert, in dem wie durch Zauberpfote immer mal wieder ein ranziger Kauknochen aus der Erde wächst. Rolf hat Zita bespasst und ich habe im Liegestuhl die Beine lang gemacht. Die Augen musste ich nicht schließen, die sind von ganz alleine zugeklappt. Ein perfekter Tag – dem nur noch das Sahnehäubchen fehlt. Arne.

Als wir – ohne von Frau Otto aufgehalten zu werden – alle sechs unsere Etage erreichen, hecheln die Jungs und ich heftiger, als es Möpse können. Baby samt aller Ausstattung wiegen eine Menge, ein Mops und ein Mudel aber auch. Earls Vorderlauf schien nach dem Hopsen aus dem Bully wieder ins Ungleichgewicht geraten zu sein. Jedenfalls humpelte der Hund den Gehweg entlang und starrte anschließend die Treppenstufen aus seinen schwarzen Augen an, ohne auch nur eine Pfote hinauf zu setzen. Bei einem Mops wie Earl of Cockwood heißt das an den meisten Tagen: „Ich bin ein Mops. Trag mich. Weil ich ein Mops bin.“ Heute aber haben wir diesen Blick so interpretiert: „Pfote aua weh Hilfe.“

„Das muss Arne sich sofort ansehen.“ Chris klingt besorgt, als er Earl absetzt.

„Wehe da ist was, ich bring den Vogler um.“ Denke ich. Sage ich aber nicht. Schließlich könnte Zita das hören. Und als Mutter muss ich ein Vorbild sein. Oder wenigstens so tun, als sei ich eine ganz normale Mama.

„Wenn Earl sich verletzt hat, wird der Vogler das büßen.“ Rolf kennt weniger Skrupel und ballt die Fäuste. Er ist aber auch ‚nur‘ der Patenvater meiner Tochter. Da hat er in Sachen Schimpfwörtern sicher von Rechts wegen mehr Spielraum.

Ich will unsere Wohnungstür öffnen, vor der immer noch die Fußmatte mit Bärchenmotiv liegt, die Arne als damaliger Junggeselle dort abgelegt hatte. Mittlerweile ist das Bärchen ziemlich abgewetzt. Sieht fast schon aus wie ein kleiner Löwe. Auch nicht weniger kitschig, aber wir haben uns in den Jahren an den Anblick dieser geschmacklichen Verirrung auf dem Boden gewöhnt. Die Tür ist abgeschlossen.

„Oh nein. Arne ist nicht da.“ Ich stoße die Tür auf. „Arne? Arne! Bist du da?“ Die Antwort ist Stille.

Wenn man den Doktor einmal wirklich dringend braucht! Innerlich fluche ich. Äußerlich bleibe ich ganz cool und schlage den Jungs vor, nebenan zu warten.

„Ich rufe ihn auf dem Handy an. Der ist sicher nur kurz… irgendwas… naja.“ Keine Ahnung, wo er steckt. Während Chris und Rolf mit den Hunden nach nebenan gehen, parke ich Zita auf der Krabbeldecke vor dem Sofa. Diese Matte war ein Geschenk von Chris und Rolf. Der doppelt gepolsterte Teppich war bis neulich noch genau so bemessen, dass Zita von Mudel und Earls flankiert dort ihr Nickerchen machen konnte, während sich über dem Trio ein Bogen mit Bällchen spannte. Mittlerweile müssen die Hunde fast neben der Matte liegen, wenn sie mit dem Baby kuscheln wollen. Zita ist schlicht und einfach aus dem Kuschelnest herausgewachsen. Sie ist auch jetzt wie immer völlig fasziniert von dem dreiteiligen Mobile aus Plüschbällen, das über ihr baumelt. Der blaue knistert, der grüne klappert und der rote klingelt, wenn man ihn anstößt, aber das hat sie bislang noch nicht von alleine hinbekommen. Ich habe jetzt allerdings keine Nerven, für das Baby am Ball zu Bimmeln, sondern wähle Arnes Nummer. Ich erreiche die Mailbox.

„Guten Tag, Sie sind verbunden mit der Mailbox von Arne Fuchs. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht.“

Mist. Ich wähle nochmal, streife mir die Schuhe von den Füßen, während es tutet.

„Guten Tag, Sie sind verbunden mit der Mailbox von Arne Fuchs. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht.“

Ich muss aufs Klo. Während ich mit einer Hand die Hose runterziehe, wähle ich mit der anderen erneut.

„Guten Tag, Sie sind verbunden mit der Mailbox von Arne Fuchs. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht.“

Als die Spülung rauscht, habe ich noch zwei Versuche unternommen.

„Guten Tag, Sie sind verbunden mit der Mailbox von Arne Fuchs. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht.“

Nein. Ich werde keine Nachricht hinterlassen. Geh gefälligst ran! Er sieht doch, wer ihn anruft. Unverantwortlich, da nicht abzuheben, es könnte ja was mit Zita sein! Mit mir! Wir könnten tot sein! Missmutig gehe ich ins Wohnzimmer, wo meine Tochter ihre prallen Ärmchen unkoordiniert nach den für sie unerreichbaren Bällen ausstreckt und dabei den Spaß ihres Lebens zu haben scheint. Jedenfalls giggelt und grinst sie wie ein Teenager beim Konzert von Robbie Williams in der ersten Reihe. Leider riecht Zita, als wäre sie tatsächlich am Verwesen. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum die Pampersfüllungen meiner Tochter derart stinken. Organisch ist sie laut Kinderarzt völlig gesund. Und an der Ernährung kann es auch nicht liegen, sie bekommt nur Milchpulver. Ich habe die stille Hoffnung, dass sich der Geruchspegel gegen normal einpendelt, sobald sie das erste Mal Möhrenbrei bekommt. Bis dahin ist es allerdings noch eine Weile hin und während ich meine Tochter wickele, überlege ich, wo zum Kuckuck Arne stecken könnte.

Weder im Wohnzimmer noch in der Küche finde ich eine Nachricht. Ich schaue sogar im Schlafzimmer nach, ob er dort einen Zettel hinterlassen hat. Fehlanzeige. Auf seinem Schreibtisch liegen zwar allerlei Papiere, aber alle mit Ausdrucken von Tierskeletten, tierischen Blutbahnen und animalischen Zeichnungen, die mir zwar vage bekannt vorkommen, mit denen ich aber nichts anfange. Keine Nachricht an mich. Nichts.

„Boah Mann ey.“ So viel schimpfen muss auch als Mutter erlaubt sein. Zita hat keine Lust mehr auf Bällchen, denn als ich sie erneut auf die Matte legen will, protestiert sie lauthals. Also nehme ich sie wieder hoch, setze das Wasser fürs Abendfläschchen auf und überlege, ob ich meine Tochter noch baden soll.

„Och nö.“ Ich denke, alle drei Tage müsste reichen. Sie schmutzt sich ja nicht ein. Und irgendwo habe ich gelesen, dass es gar nicht so gut sein soll, Babies zu oft in Seife zu tauchen. Mal abgesehen davon, dass ich hinterher das ganze Bad wischen muss, weil ich es nicht hinbekomme, Zita unfallfrei zu reinigen. Klar, dem Kind passiert nichts, aber irgendwie schwappt immer die Hälfte des Wasser auf mich und den Boden. Während das Wasser köchelt rufe ich bei den Jungs an.

„Chris? Tanja hier.“

„Wir warten auf den Doktor.“ Earls Herrchen klingt besorgt. „Earl hat keinen Hunger. Gar keinen. Rolf hat gekochte Hähnchenmägen serviert und er hat trotzdem nichts gefressen.“

Oh. Ein Mops, der nichts frisst – das ist wirklich ein ganz übles Zeichen. Ein ganz sehr übles, weil gekochte Hühnermägen so ziemlich das leckerste für Earl sind. Gleich nach Pommes.

„Keine Sorge, Arne kommt bestimmt bald.“

„Ja sag ich doch, wir warten.“

„Nein, ich meine… also bald nach Hause. Es ist ja schon halb acht gleich.“

„Tanja?“

„Ja?“

„Du hast ihn gar nicht erreicht.“

„Ähm. Ja.“ Ich kann meine Jungs nicht anschwindeln. Konnte ich noch nie.

„Weißt du, wo er ist?“

„Eben nicht.“ Ich schalte den Herd aus und jage das abgemessene Wasser einhändig durch das Gerät, welches es – Wunderwerk der Technik – binnen Sekunden von brutal heiß auf Trinktemperatur kühlt.

„Nein.“

„Oh.“ Chris sagt ‚Oh‘ wie wenn er meint: ‚Ganz schlecht.‘

„Das ist jetzt nicht so gut“, sagt er.

„Ich weiß. Aber Chris?“

„Ja?“

„Alles wird gut. Wird es doch immer.“ Er seufzt und legt auf, nachdem er mich gebeten hat, Arne egal um welche Uhrzeit sofort und umgehend und auf der Stelle rüber zu schicken, sobald der auch nur einen Fuß ins Treppenhaus setzt. Ich verspreche es, fülle das Milchpulver ins Fläschchen, schnappe mir eine Tüte Essigchips und mache es mir mit Zita auf der Couch bequem.

 

 

 

 

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