Bleib in Verbindung

Die Neusten

Ich bin dann mal weg.



Was ist Capoeira?


Ein Monsieur im Ländle -Monsieur braucht Feuersünden-

Ein Monsieur im Ländle -Monsieur braucht Feuersünden-

Kolumne Brezel trifft Baguette & Mops  I Silke Porath I Balingen

Monsieur und Madame sind beide keine Teenager mehr. Auch wenn wir uns manchmal kindisch benehmen, wir sind in einem Alter, in dem wir eine veritable Zettelwirtschaft brauchen, um nichts zu vergessen. Schließlich würde mein Monsieur keinen halben Tag überleben, wenn nicht sein Dijon-Senf, die französische Büttärrr oder der Bordeaux im Haus wären. Was also zur Neige geht, wird auf den Einkaufszettel geschrieben. Ganz einfach. Eigentlich. Nicht aber mit Monsieur. Der schreibt nämlich so, wie er spricht.

Neulich war ich dran mit Einkaufen. Ich habe echt, echt lange gebraucht. Nicht, weil ich so viel in den Einkaufswagen hätte packen müssen. Sondern weil ich zwar „Kalb Axe“ und „Spulmaschine Sel“ in Hausfrauendeutsch übersetzen konnte, aber keine Ahnung hatte, was zum Teutone mein Gallier mit „Feuersünden“ meint. Zumal ich meist sowieso nur ahnen kann, was er am Gasherd zaubern will.

Meine Suche in der Abteilung für Desserts (Feuerzangenbowle?) blieb erfolglos. Auch bei den ganz scharfen Saucen (die, die einem die Zunge wegätzen, wenn man sie aufs Würstchen schmiert), in der Spirituosenabteilung (Feuerwasser) und beim Klopapier (man weiß ja nie) war nichts von Feuersünden zu finden.

Zurück in unserem französischen Territorium packten Monsieur und ich gemeinsam meine Beute aus. Und er war ein bisschen enttäuscht. Weil er noch mal los musste. In den Baumarkt. Feueranzünder kaufen für den Olzofen.

Der bollert bei uns übrigens, sobald es draußen unter 15 Grad hat. Monsieur würde ja schon ab 20 Grad Außentemperatur einheizen, aber da zieht der Kamin nicht. Draußen also ist ein bisschen Herbst, in unserem Salon Südfrankreich. Im August. Ohne Schatten. Monsieur ist zwar von Haus aus ein Sh’ti, also einer von jenen lustigen Nordfranzosen, die man aus dem Kino kennt. Im Herzen aber ist er doch mehr in der Provence zu Hause. Ganz praktisch, eigentlich, die hitzige Temperatur sorgt dafür, dass man es nur in Unterhose aushält, wenn man abends fernsehen will. Spart also jede Menge Wäsche. Und außerdem bin ich ja gerade schwanger. Irgendwie. Nächste Woche ist es soweit. Beaudelaire Napoleon zieht bei uns ein. Winter ist ja, wenn die Möpse frieren. Diese und jene. Unser Babyhund dürfte sich also sauwohl fühlen. Vorausgesetzt, es sind genug Feuersünden im Haus.

Die kann Madame aber nicht besorgen, die muss schreiben. Am vierten Mopsbuch für den Weltbild Verlag. Oder zu Lesungen in den Filialen fahren. Da sind dann meistens echte Möpse im Publikum. Und zum Glück sind die Plakate nicht so, wie es ein Veranstalter vor ein paar Jahren mal gemacht hatte. Da stand drauf: „Menschen mit Möpsen haben freien Eintritt.“ Raten Sie mal, wie viele Frauen an der Kasse irritiert waren.

 mops-und-weltbild-imlandle

Exklusiv für #imländle öffnet Silke Porath ihr Manuskript. Hier ein weiterer Auszug nur für Euch:

Zita hat es gut, denke ich, als ich am nächsten Morgen die leegetrunkenen Fläschchen der letzten Nacht in die Spülmaschine räume. Sie wird von drei Männern geliebt und muss sich um nichts Gedanken machen. Zählt man Earl und Mudel mit, hat sie sogar fünf Männer an ihrer babyspeckigen Seite. Der Mops und sein Sohn haben es sich scheinbar zur Lebensaufgabe gemacht, mein Babygirl zu beschützen. Ich weiß, dass es im Hunderudel die Männern sind, die die Welpen erziehen. Was ich nicht wusste: eine schlabbrige Mopszunge im Gesicht beruhigt ein kreischendes Baby in Sekunden. Ein schnarchender Hund katapultiert Säuglinge binnen Sekunden ins Reich der Träume. Und zwei schmusende Fellnasen sorgen für höchstes Wohlbefinden bei Fräulein Zita.

„Ach Earl“, seufze ich und lasse mich auf den Boden sinken. Der Mops kommt auf mich zu und drückt sein Plattgesicht an meinen Oberschenkel. Während ich ihn an den Halsfalten kraule, fiept er leise, was aber aufhört, als er eine andere Position eingenommen hat. Earl ist eben auch nicht mehr der Jüngste mit seinen zehn Jahren und erst neulich hat er nach einem Spaziergang etwas gehumpelt. Arne fand das nicht behandlungswürdig und mittlerweile denke ich auch, dass der Mops vielleicht nur Muskelkater hatte.

„Was gibt’s zum Essen?“, unterbricht Arne unsere Schmusestunde.

„Dich und mich!“, hätte ich vor Zita beim Anblick seines unrasierten Gesichts und der zerzausten Haare noch gerufen. Jetzt aber erhebe ich mich, tätschle Earl ein letztes Mal und zucke mit den Schultern.

„Keine Ahnung. Ich dachte, du könntest vielleicht…?“

„Hör mal, Tanja, nur weil ich zu Hause bin heißt das nicht, dass ich nicht arbeite.“ Arne wedelt mit einer Fachzeitschrift vor meiner Nase rum. Ich beiße mir auf die Zunge.

„Ja, Herr Doktor“, versuche ich zu scherzen, aber Arne hört mich gar nicht mehr. Kaum hat er beschlossen, den akademischen Weg einzuschlagen, benimmt er sich wie ein zerstreuter Professor. Gleich nach dem Aufstehen hat er sich an den PC geklemmt. Jetzt ist es elf Uhr und er trägt noch immer seinen Pyjama, hat aber seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen bereits einige weltwichtige Erkenntnisse gewonnen. Ich balle die Fäuste. Mein Schatz ist seit gerade mal drei Stunden Doktorand der Tiermedizin… wie soll das ein Jahr lang so weitergehen?

Das Quäken aus dem Schlafzimmer reißt mich aus meinen Gedanken. Arne gibt mir mit einem Blick zu verstehen, dass er Ruhe braucht. Absolute Ruhe. Hätte ich auch gerne. Aber ich straffe die Schultern, atme tief ein und gehe nach meiner Tochter sehen.

Hunger, Durst, Windel voll, Bauch tut weh, Mama fehlt. Als Baby ist die Welt noch einfach. Ein bisschen so, als wäre man ein Hund. Die suchen auch keine Karriere. Da steht keine wichtige Prüfung an. Da muss nicht dafür gesorgt werden, dass sich das Konto füllt. Oder dass die Windel geleert wird.

„Süße, du stinkst“, gurre ich Zita an. Sie reckt die Fäustchen nach mir. Und greift mir damit direkt ins Herz. Meine Laune wird sofort besser, obwohl mir aus dem Bettchen ein Geruch entgegenschlägt, der irgendwo zwischen verrotteten Eiern und verwesendem Hamster liegt. Leider sieht das Produkt in der Windel auch nicht besser aus, als es riecht. Augen zu und durch! Ich schalte meinen Geruchssinn ab und muss an ein Video denken, dass ich vor ein paar Monaten bei youtube gesehen habe. Damals war ich alles andere als schwanger und habe mir vor Lachen fast in die Hose gemacht, als ein muskelbepackter Kerl beim Wickeln seines Babies gewürgt und schließlich in den Mülleimer gekotzt hat. Diese Phase habe ich längst hinter mir. Meine Theorie: mit der Muttermilch schießt gleichzeitig ein Anti-Ekel-Gen in die Blutbahn. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass ich noch nie in Ohnmacht gefallen bin, wenn Zita sich entleert hat, ob nun oben oder unten raus.

Nach der Leerung verlangt meine Tochter umgehend nach Füllung. Fast wie ein Auto, das auch nur läuft, wenn genug Sprit drin ist. Zitas Benzin heißt Milch und seitdem ich nicht mehr stille, ist das Leben viel einfacher geworden. Erstens können der Vater oder die Onkel die Fütterung übernehmen und zweitens halten die Fläschchen länger satt. Meine Augenringe sind zwar noch nicht weniger geworden und ich schlafe selten länger als drei, vier Stunden am Stück, aber ganz allmählich verwandle ich mich vom milchgebenden Zombie wieder in einen Menschen. In Tanja.

 

 

Kommentar verfassen

Bleib in Verbindung

via E-Mail

Werde via E-Mail über neue Storys informiert.

Blick hinter die Kulissen

Snapchat

Follow imlaendle on Snapchat!

Kategorien

×
%d Bloggern gefällt das: