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Was ist Capoeira?


Johannes Graf Strachwitz

Johannes Graf Strachwitz

Ein erfolgreicher Stuttgarter, der seine Brötchen in der Musikbranche und Sportwelt verdient. In dessen Adern blaues Blut fließt. Einer, der in unserer Landeshauptstadt ziemlich bekannt ist. Wahrscheinlich auch weit darüber hinaus. Alles bekommen wir Älbler eben nicht mit. Darum ist es an der Zeit, Herrn Graf Strachwitz kennenzulernen.

Lasst uns mit einem Versuch starten:

Schließt für einen Moment die Augen und stellt euch den Menschen vor. Seine Gesichtszüge, sein Wesen und sein Auftreten. Wenn seht ihr? Wie wirkt er?

 

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Zu gern würde ich jetzt eure Gedanken lesen!

Ich hab´s nämlich genauso gemacht. Und bin mit meiner Vorstellungkraft mächtig auf die Fresse geflogen.

Strachwitz lerne ich an einem Herbstsonntag im Albmalermuseum in Münsingen kennen. Ein bisserl aufgeregt bin ich. Hab die Chance über jemanden zu schreiben, der mit seinem Leben eine außergewöhnliche Story bei #imländle wird. Zumindest mit dieser Behauptung lande ich einen Volltreffer.

Google sei Dank bin ich nicht überrascht als ich ihn sehe. Der Herr Strachwitz ist noch ziemlich jung, Mitte vierzig. Extrem leger und auf eine angenehme Weise zurückhaltend. Auf keinen Fall unscheinbar. Im Gegenteil, er wirkt, wenn er einen Raum betritt. So ein bisserl charmantes Understatement.  

 

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Strachi und ich haben knapp eine Stunde Zeit um miteinander zu sprechen. Danach muss er los. Frau und Kind abholen. Ich will keine Zeit verlieren und er sich nicht mit dem lästigen „Sie“ aufhalten. Nach fünf Minuten sind wir per Du und ich bin ein wenig wehmütig, weil die Zeit knapp ist.

Einen Bruchteil seines Lebens darf ich erfahren. Und der flasht mich Tage später noch dermaßen, dass es ein Leichtes ist, darüber zu schreiben.

Er erzählt von seinem Kumpel Schowi. Mit vollem Namen heißt er Jean-Christoph Ritter. Wer „Massive Töne“ kennt, weiß wer das ist. Strachi lernt den Rapper 1996 an der Uni Hohenheim kennen. Beide studieren Wirtschaftswissenschaften. Wobei die Zeit dafür knapp ist. Im Herzen sind die Jungs nämlich damit beschäftigt, die Stuttgarter Hip-Hop-Szene aufzumischen. Damals ist die Musikrichtung in Deutschland ein recht unbeschriebenes Notenblatt.

 

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Einige Liebhaber des deutschen Sprechgesangs vereinigen sich. Sie nennen sich „Kolchose“, teilen ihre Energie und die Vorstellung vom Leben. Die Gruppe versteht sich als Bewegung. Egal ob Künstler, Schriftsteller, Tänzer oder Medienmensch, gemeinsam wollen sie etwas bewegen. Ausschweifend leben und das jenseits der Norm. Für die Musik. Für die Sache. Ans Geld verdienen denkt damals noch keiner. Alles, nur bitte nicht Kommerz.

Mit dabei sind „Freundeskreis“, Massive Töne“, „Afrob und „Die Krähen“. Später stoßen Gruppen wie „Breite Seite“ und „Skillz en Masse“ dazu.

Die Jungs haben keinen Bock auf Scheuklappen, sind offen für Neues.

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Mögen mir Kunstliebhaber meinen historischen Vergleich verzeihen: Der Expressionismus hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts bahnbrechende Geschichte geschrieben. Ebenso der  Dadaismus – auch Dada genannt –  eine Kunstrichtung der Revolte. Brechen wir die damaligen Revolutionen auf das Hip-Hop-Geschehen in Stugitown runter, können wir uns vorstellen, was in den 90igern bei der Kolchose los ist. Der Kessel brodelt.

 

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Während meiner Recherchen taucht eine Erinnerung auf: Der (Freundes)Kreis schließt sich und ein Songtext fällt mir wieder ein. Dada ist er ja: Von vorne wie von hinten A N N A.

 „Ich bin Max aus dem Schoß der Kolchose …“

 

 

Nicht nur „Freundeskreis“ auch die „Massiven Töne“ erheben sich aus dem Schoß der Kolchose. 1996 produziert die Gruppe ihr Debütalbum „Kopfnicker“ . Die Nation nickt eifrig mit. Die Band ist auf Erfolgskurs. Nebenher gründen Strachi und Schowi den legendären 0711 Club, veranstalten Parties und managen Gigs. Sie wollen unabhängig bleiben, zahlen Lehrgeld, machen Fehler und lernen daraus.

So ist das bei Do-it-yourself Geschichten. Geht der Plan auf, entsteht ein Unikat mit unvergleichbarer Handschrift.

Und der Plan geht auf. 1998 schmeißen die zwei Herren endgültig die Uni. Sie machen nur noch das, was für sie Sinn ergibt. Ich glaube, krasser kann das Gefühl von Freiheit nicht sein.

Viele zieht es in dieser Zeit nach Berlin. Strachi, als bekennender Stadtpatriot bleibt seiner Heimat treu. So troy.

Danach geht es Schlag auf Schlag.

Die Jahre ziehen ins Land und die Crew den Erfolg an. Sie gründen die 0711 Entertainment GmbH, veranstalten das legendäre MTV Hip Hop Open Festival und gründen nebenher mit Warner Music ein Plattenlabel. Der Rubel rollt. Die Energie fließt. Ein Firmennetzwerk entsteht. Die Sache lebt.

 

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Bis heute.

Ich sitze Johannes Graf Strachwitz im Albmalermuseum gegenüber und staune.

Dass er seit 2008 zudem Mitinhaber einer Spielerberatungsagentur ist und nebenbei im Profifußball managt, kann mich nicht mehr überraschen. Musik und Sport verbindet vieles.

Ich will wissen, ob es Freizeit in seinem Leben gibt. Er überlegt. Irgendwie verschmelzt ja alles. Die Leidenschaft kennt keinen Feierabend.

 

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„Das Bali-Ding, das ist ein Ausgleich“ sagt der Stuttgarter schließlich.

Wie Bali?

Strachi lehnt sich zurück und erzählt. Nichts davon hört sich großspurig an.  Trotzdem ein großer Traum, der gelebt werden darf:

Damals in den 90igern, hatte er mit einem guten Freund einen Gedanken: „Wie geil wäre es, wenn wir mit all den Leuten, die uns bewegen, in einem Wohnhaus leben würden. Die Wohnungstüren würden offenstehen. Gemeinsam könnten wir noch krassere Wege gehen.“

Der Gedanke bleibt in der Idee hängen. Wahrscheinlich ist die Zeit zu knapp.

Später wird aus dem Wohnhaus ein See. 

Wie wäre es, wenn wir alle unsere Häuser um einen See bauen. Unsere Kinder gemeinsam aufwachsen und wir bis ans Ende gemeinsam weiterleben.

Im Umland von Stuttgart ein erschlossenes Baugebiet um einen See zu finden, scheint kein leichtes Unterfangen zu sein.

Darüber philosophiert Strachi mit einem Freund, den er vor einigen Jahren auf Bali besuchte. Und dieser will wissen, warum um die Häuser keine Reisfelder sein dürfen? Und anstatt ein See, mit etwas Entfernung dafür ein Ozean? Das sind berechtigte Fragen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten kauft Strachi Land auf der Insel. Sie bauen Häuser.

 

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Ein Tonstudio darf nicht fehlen. Es entsteht eine neue alte Community. Künstler, Kreative und Unternehmer finden sich zusammen. Die einen werden sesshaft, die anderen pilgern nur gelegentlich an ihren persönlichen Rückzugsort. Jeder bringt seine Freunde mit. Neue Kontakte und Ideen entstehen.

Ein bisschen wie im Film „The Beach“, gepaart mit schwäbischer Bodenständigkeit. Es geht um die Sache und die geht voran. Von Beginn an.

 

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Im Vergleich zu den Anfängen ist die Dimension heute allerdings eine andere.

Bevor Strachi aufbricht zeigt er mir ein paar Bilder von seinem Haus auf der Insel. Dank seiner Freundin sind auch die Einrichtung und das Interieur mit einer unvergleichlichen Handschrift versehen. Das zweite Zuhause der kleinen Familie ist atemberaubend schön.

 

Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns.

Auf meiner Heimfahrt rufe ich eine Freundin an und kreische ihr ins Ohr, erzähle was ich gehört habe, beschreibe die Bilder von Bali und weiß jetzt, dass Sami Khedira CRO geil findet. Sie kreischt mit mir. Wir sind geflasht von einer Lebensart, die wir in unserem Alltag nicht kennen.

Nachdem ich Tage später immer wieder an die Begegnung mit Strachi denke, überlege ich, was mich daran so fasziniert.

Mein Fazit überrascht mich selbst.

Erstmal möchte ich klarstellen: Sollte in meinem Leben irgendwann die Möglichkeit bestehen, mir eine kreative Auszeit auf einer Insel im indischen Ozean zu nehmen, werde ich es tun.

Aber es ist nicht Bali. Es ist nicht der Promi- oder finanzielle Status, der mich im Herzen getroffen hat. Strachi liefert mir eine viel wichtigere Erkenntnis:

Erfolg ist nicht konservativ.

 

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Ich muss schleunigst meine Vorstellungskraft hinterfragen und meine Energie fließen lassen.

Nur weil ich nicht jeden Samstag mit meinem Opel Karl in die Autowaschanlage heize, bin ich noch lange kein Rebell.

Kreative Exoten, die mutig für ihre Überzeugung leben, sind selten. Sie haben es nicht leicht. Es sind schräge Vögel, die nicht in unsere Norm passen, über die wir gerne den Kopf schütteln.

Schaffen sie sich Freiraum und entfalten ihr Potential, dann fliegen sie. Und zwar so hoch, dass wir auf unserer wackligen Karriereleiter nur sprachlos hinterher winken können.

Spielt es dabei eine Rolle ob diese beneidenswerte Freiheit auf Bali oder an einer Badebucht am Bodensee ausgelebt wird? Wenn die richtigen Leute zusammen sind, sicherlich nicht.

Brechen wir wieder einmal, in diesem Fall Strachi´s Vorgehensweise –  auf unsere herunter, können wir im Kleinen beginnen.

Warum nicht das nächste Meeting auf eine Parkbank im Stadtpark verlegen? Müssen wir nur am Schreibtisch sitzen, um die Welt zu verändern? Oder verändern wir sie eher, wenn wir die Vibes erleben?

Lassen wir uns nicht viel zu oft von der Normalität leiten? Wie viel Anpassung verträgt unsere Energie und was verpassen oder verpatzen wir, wenn wir ihr keinen Platz einräumen?

Es ist die Bewegung die mich fasziniert. Die Gruppe aber auch unsere Historie zeigt, welche Möglichkeiten in uns allen schlummern.

Die Chance zu ergreifen und sich mit Gleichgesinnten auf neue Wege zu begeben, ist ein Statussymbol, das wir alle unser Eigen nennen dürfen.

In diesem Sinne. Danke für die bewegende Begegnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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