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Backstage mit den Buffalo Chips

Backstage mit den Buffalo Chips

Musik & Kunst I The Buffalo Chips I Villingen- Schwenningen
Lasst uns in die fünfziger Jahre reisen und eine bezeichnende Musikrichtung kennenlernen. Noch heute ist sie am Leben und viel mehr als »nur« der stampfende Beat. Erfahrt, wie viel davon in der Band Buffalo Chips steckt und warum die drei Männer den Ursprung des Rockabilly verkörpern. Vielleicht genau weil sie selbst es anders sehen.

„Wir selbst nennen unser Ding Rock’n Roll. Spielen und Leben was uns gefällt. Ohne auf Teufel komm raus verstaubt Retro zu sein. Da haben wir keinen Bock drauf.“ The Buffalo Chips

Das ist die purste Liebeserklärung an „Rockabilly“, die man geben kann. Verspürt man dazuhin ein „Aber“ wenn dies unterstellt wird, kann es reiner nicht sein. Eine Rebellion des Herzens und genau darum geht es im Ursprung dieser bedeutsamen Musikrichtung.

Rockabilly ist in den Fünfzigern entstanden

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Nicht #imländle. Jedoch sehr ländlich, in den amerikanischen Südstaaten, ist Rockabilly in den Fünfzigerjahren entstanden. Damals sind es die Rebellen unter den Hillbillies (= Landeier, Hinterwäldler), die mit ihrer neuen Spielrichtung des Rock’n Rolls Aufsehen erregen. Sie mischen Ryhthm & Blues mit Country und Western. Das sogenannte „slappen“ des Kontrabasses gibt den nötigen Drive, die neuen verstärkten Gitarren liefern den perfekten Sound.

Anders als der Rest und bereit für den Durchbruch leben die Musiker ihre Protestkultur und den Drang nach der großen Freiheit. Sie wollen Grenzen durchbrechen. Über die Grenzen der amerikanischen Südstaaten schafft es der Boom damals nicht. Die provinzielle Note ist zu stark, der Südstaatenakzent vieler Sänger unüberhörbar. Stellen wir uns feinste schwäbische Mundart in Hamburg vor, erahnen wir, woran dies liegen kann.

Erst Ende der 70-iger Jahre feiert Rockabilly ein Comeback in England. Von dort aus schwappt die Popularität in andere europäische Länder und bis nach Asien.

The Buffalo Chips gibt’s seit über 15 Jahren

Bis heute ist „Rockabilly“ am Leben und viel mehr als nur das Slappen und der stampfende Beat. Es ist ein Gefühl, welches sich durch Musik, Kleidung, Oldtimer, Etikette und eine ausschweifende Lebenseinstellung verbindet. Wobei binden auch fügen heißen kann und genau dies nicht der Anspruch der Buffalo Chips ist.

bild2 rockabilly

Als ich auf das Rockabilly Trio treffe, verbindet uns zu Beginn die Schnapsflasche und der Schwarzwälder Schinken auf dem Biertisch. An den allgegenwärtigen Humor im Backstage Zelt muss ich mich gewöhnen. Was ist Witz und wann ist es ernst gemeint? Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das lerne ich ziemlich schnell. Nach dem ersten Schnäpsle füge ich mich der Vernunft und steige in das Leben der Bandmitglieder ein.

buffaloschnaps

Sänger Metze fasziniert und erinnert mich an Joaquin Phoenix (dieser spielte in der Filmbiographie »Walk the Line« den legendären Johnny Cash). Sarkastischer Wortwitz, gefolgt von einem charmanten Lächeln bis hin zum völligen Ausklinken. Ob er in jenen Momenten zuhört, nicht denkt oder der Tiefe verfällt? Wer weiß das schon. Den Tiefsinn trägt er in sich, das kann der Villinger nicht verbergen.

Bandkollege Röbi, der bereits mit seinem Schweizer Dialekt gewinnt, spielt auf der Bühne, was er im „echten“ Leben lebt. Die Höflichkeit von damals, das Fahrzeug in der Garage und das Interieur des Eigenheimes sind von den Fünfzigern geprägt. Sollte der Tätowierer mit seiner Nadel genauso umgehen können, wie mit seinem Kontrabass, empfehle ich wärmstens, einen Stecher-Termin bei ihm.

Jörg wirkt wie der Vati der Band. Einer, der sich kümmert und organisiert, ohne eitel zu delegieren. Auf der Bühne haut er ins Schlagzeug und dem Publikum seinen Charme um die Ohren.

Da hält es selbst die Seniorin in den hintersten Reihen nicht auf ihrem Sitzplatz. Sollte sie es allein nicht schaffen, würde Jörg von seinem Schemel in die Menge springen und die Dame galant auf die Tanzfläche führen. Dessen bin ich mir sicher.

Der große Arbeitsaufwand bleibt uns Fans verborgen

Aber auch um Musik unter die Menschen zu bringen ist kein Weg zu weit. Ob in Italien, Frankreich, Holland, Schweiz oder auf heimischem Boden. Die Buffalo Chips sind gefragt und reisen viel. Seit über fünfzehn Jahren spielt das Trio gemeinsam. Leben können sie nicht davon. Fulltime arbeiten braucht keiner mehr von ihnen. Wobei so wirklich davon leben wollen sie auch nicht. Das wäre weniger Freiheit. Mann müsste mehr, als dass er könnte. Können tun die Männer oft. Die Band tritt jedes Wochenende auf.

Was den Fans verborgen bleibt ist der extreme Aufwand, den die Musiker auf sich nehmen. Die langen Fahrten, der Auf- und Abbau und die Wartezeiten sind ein Kraftakt. Im Verhältnis ist die Spielzeit ein kurzes Vergnügen. Während ihres Auftrittes werden die Musiker gefeiert und zelebrieren mit ihren Fans die ausschweifende Lebenskultur.

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Verschwitzt und selig steigen sie von der Bühne und zur Arbeit zurück. Auch wenn das Leben weitergeht und die Welt sich weiterdreht, ist für den Moment vorbei, was sie beim Applaus verspüren. Plötzlich wird’s ruhig, manchmal zu still. Ein Loch in das man fallen kann, über das unser eins nicht nachdenkt, wenn wir fröhlich zu ihrer Musik stampfen. Es sind Höhen und Tiefen, die das Leben eines Musikers zwischen Arbeit, Alltag und Applaus begleiten.

Ein Leben ohne Musik ist nicht denkbar

Getragen von der Leidenschaft und ihrer Lebenseinstellung haben die Buffalo Chips gelernt, damit umzugehen. Dass sie ohne mit der Wimper zu zucken über die Kehrseite der Medaille sprechen zeigt, wie authentisch diese drei Menschen sind. Ein Leben ohne Musik ist nicht denkbar, die Leidenschaft überwiegt.

Die Buffalo Chips machen ihr Ding. Sie verkörpern lässig und charmant ihren Lebensstil. Vom Erfolg einengen lassen, wollen sie sich nicht. Ein Haufen Hillbillies, die der Damenwelt mit Handkuss begegnen, während sie die Menge zum Tanzen und Toben bringt. Das alles leben sie, nicht weil es damals üblich war, sondern weil sie es heute genauso wollen.

Ihre Rebellion ist eine Liebeserklärung an Rockabilly

Damit ist die pure Liebeserklärung an Rockabilly definiert. Folgt nun ein leises „Aber“ von der Band, da sie viel zu individuell sind, um sich in eine Schublade stecken zu lassen, könnte es reiner nicht sein. Lasst sie rebellieren, die Herzen der Buffalo Chips. Denn genau das ist der Ursprung des Rockabilly.

Filmemacher Yannick, Fotografin Sabi und ich, treffen die Band Backstage bei dem diesjährigen „Mach Mich Laut Sommer Open Air“ in Dormettingen.

In einem Moment, in dem ich Sänger Metze das völlige Ausklinken unterstelle, schaut er auf zieht eine Augenbraue hoch, fixiert Yannick mit seinem Blick und sagt:

„Menschen wie dich bewundere ich. Es ist eine Gabe, wenn man wie du mit Technik umgehen kann und dabei das Wesentliche des Geschehens erkennt“.

Recht hat er!

Danke für das tolle Video, Yannick.

Yannick

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Mein Outfit fühlt sich ein bisserl nach Uschi Obermaier an.
Und weil ich diese Frau grandios finde, ist das ein äußerst cooles Gefühl.
Biker Schuhe: Feye ⊗ Leder Tasche: Day Birger et Mikkelsen
Kleid: Meisi  ⊗ Jacke: Diesel
 ⊗ SHOP ⊗
ChicSaal Balingen
Text: Petra Nann Bilder: Sabrina Jetter Video: Yannick Streicher Silverscreen

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0 Comments

  1. Steffi

    28th Jul 2016 - 16:14

    Die Buffalo Chips, schon lange nicht mehr gesehen.
    Grüße aus Berlin….

    • die Buffalo Chips

      29th Jul 2016 - 9:43

      Oh ja, in Berlin waren wir schon lange nicht mehr. Vielleicht passt es ja mal wieder in den Tourplan. Dann sehen wir uns…

  2. Anonym

    29th Jul 2016 - 3:11

    Der Metze im Fernseher! Wie geil.
    Es grüßen Dich Deine Trinkfreunde aus dem Südstadtbeizle

  3. PARMESAN – WELCOME BACK – #imländle

    4th Aug 2016 - 10:41

    […] Rockabilly Rebellen: Backstage mit den Bufallo Chips […]

  4. Radiotagebuch No. 1 – #imländle

    5th Sep 2016 - 12:49

    […] Rockabilly Rebellen […]

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