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#meineweltverändern Teil 2

#meineweltverändern Teil 2

Was bisher geschah & Historie „sexueller Missbrauch an Kindern“
Menschen & Lifestyle I Feuervogel e.V. I Balingen

Seit der Veröffentlichung des ersten #imländle Artikels zu der Thematik „sexueller Missbrauch an Kindern“ sind einige Wochen ins Land gezogen. Im ersten Teil „#meineweltverändern“ erzähle ich, warum ich mich entschieden habe, über das (Tabu-) Thema zu berichten, und ergänze den Beitrag mit einigen wichtigen Fakten. Heute blicken wir darauf zurück, was seit der Veröffentlichung geschehen ist. Ich gebe das weiter, was ich von Janine Heckele (Feuervogel e.V.) erfahren habe und wage einen Schritt in die Historie. Dafür müssen wir bis in die Antike reisen. Lasst uns mit der Gegenwart beginnen.

 Bei einem der Gespräche mit Frau Heckele entstehen die nächsten Themen für den Blog #imländle:

–      Historie „sexueller Missbrauch an Kindern“

–      Kinder stärken und schützen

–      Missbrauch erkennen und handeln

–      Spätfolgen bei Betroffenen und mögliche Hilfestellungen*

*Bereits heute möchte ich darauf hinweisen, dass es für Betroffene einen Fonds gibt, auf deren Sachleistungen sie Anspruch haben. Detaillierte Informationen gibt es auf www.fonds-missbrauch.de. Der Verein Feuervogel e.V. ist eine qualifizierte Beratungsstelle und unterstützt bei der Antragsstellung. Weitere Beratungsstellen sind auf der Internetseite des Fonds zu finden.

Sich allgemein mit der Thematik auseinander zu setzten, fühlt sich für mich weiterhin richtig an. Das Gefühl „helfen zu können“ ist ein Gutes. Ehrlich möchte ich bleiben: Täglich könnte ich mich mit den Schicksalen und der Materie nicht befassen. Es ist und bleibt eine schwere Kost. Darüber zu sprechen und sachlich zu informieren fällt mir immer leichter. Jedes Mal mit einem Stück mehr Selbstverständlichkeit. Das Schöne: Viele reden mit mir und noch mehr: Sie handeln.

Kind malt ein Herz

So erzähle ich Petra Penz, Produktentwicklerin und Grafikdesignerin, dass die Homepage des Vereines Feuervogel e.V. dringend überarbeitet werden muss. Die Balingerin hat viel zu tun, sichert aber zu, dass sie sich in den nächsten Wochen darum kümmern wird. Einen Tag später ruft sie mich an: „Es hat mich gepackt“, sagt sie. Ich bin sprachlos als Petra erzählt, dass sie die Nacht vor dem Rechner gesessen und eine neue Homepage entworfen hat. Wenig Zeit später präsentiert sie dem Verein Ihren Entwurf. Im Moment arbeiten sie gemeinsam an der Fertigstellung.

Marcus Dreher (Inhaber Schreinerei Dreher) erfährt, dass dringend zwei neue Beratungstische benötigt werden. Auch er legt eine Nachtschicht ein und schreinert kurzerhand zwei Tische nach Wunschmaß. Es fehlen noch acht moderne Stühle dazu. Ich bin mir sicher, auch diese werden sich finden.

Anika Heimann, eine junge Künstlerin aus Balingen, sprüht ein buntes Kunstwerk: einen Feuervogel. Das Bild übergibt sie dem gleichnamigen Verein. Mit ihren Möglichkeiten schenkt sie Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Das Gefühl mit „kleinen Taten“ gemeinsam etwas zu bewegen

Es passiert etwas #imländle und das Hand in Hand. Das Gefühl, dass wir mit „kleinen“ Taten #unsereweltverändern, ist ein großes.

Bei der Lesung von Silke Porath am 11.06.16 darf ich vor dem Publikum eine Rede halten. Wenn ihr wollt, schaut sie euch an. Lasst uns im Anschluss etwas mehr über die Historie der Thematik erfahren.

 

In der Antike gehört die „Knabenliebe“ zum guten Ton der Upper Class

Wir müssen in den Geschichtsbüchern weit zurückblättern, um die ersten Dokumentationen des Verbrechens, das lange Zeit keines ist, zu finden. Der wahrscheinlich früheste Hinweis auf sexuelles Verlangen von Männern nach kleinen Kindern findet sich auf einer etwa 5000 Jahre alten Tontafel der Sumerer wieder. Darauf klagt die kindliche Göttin Ninlil ihr Leid vom Beischlaf.*

*Quelle: Ruzica Filipovic , 2001, Kinder als Opfer des sexuellen Missbrauchs, München, GRIN Verlag

Fortlaufend ist der sexuelle Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern nachweislich kultur- und epochenübergreifend belegt. Manche von uns haben in diesem Zusammenhang schon einmal von dem Begriff „Knabenliebe“ gehört. Im antiken Griechenland gehörte dieses sogenannte pädagogische Konzept zum guten Ton. Kinder und Jugendlichen mussten sich fügen, die sexuelle Verfügbarkeit mit eingeschlossen. Dieses Konzept diente der Macht- und Statusdemonstration der damaligen Upper Class. Diese (angebliche) historische „Tradition“ wird heute noch von Pädophilie-Befürwortern als Legitimationsgrundlage für Straffreiheit verwendet.

Im Laufe des Hoch- und Spätmittelalters verändert sich der Blick auf die Kindheit als Lebensphase. Kinder werden vermehrt als schützenswert betrachtet und nicht mehr als „junge Erwachsene“ angesehen. Sexuelle Handlungen Erwachsener an Kindern werden in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtsquellen als „Unzucht“, „Notzucht“ oder „Blutschande“ bezeichnet, von kirchlicher Seite scharf verurteilt und mit umfangreichen Einzelurteilen belegt.

Die Empörung gilt mehr dem Fehlverhalten der Erwachsenen als den geschändeten Kinderseelen

Allgemeine Normen zum Schutz von Kindern vor Übergriffen existierten jedoch bis ins 20. Jahrhundert nicht. Wird Missbrauch überhaupt geahndet, dann bei außerfamiliären Fällen und als „Eigentumsdelikt“: Die Verurteilung des erwachsenen Täters bezieht sich meist auf die Wertminderung von Mädchen durch den Verlust der Jungfräulichkeit und Ehre. Die öffentliche Empörung bezog sich vor allem auf das moralische Fehlverhalten des Erwachsenen. Die verletzten Kinderkörper und Seelen spielten dabei kaum eine Rolle.

ausschnitt altes buch

Durch Prozesse der Säkularisierung und Aufklärung wandelte sich um das 18. Jahrhundert das öffentliche Bild des Kindes. Kindheit wird noch deutlicher als ein Schutzraum begriffen.

Gerade „Unzucht an Kindern“ gilt seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts als Symbol nichtbürgerlicher und unsittlicher Verhaltensformen. Der Kinderschutz wird nach und nach verstaatlicht und durch das 1900 erstmals aufgelegte Bürgerliche Gesetzbuch das Kindeswohl endgültig staatlich definiert (bezogen auf Kindesmisshandlung und –vernachlässigung).

Das kindliche Recht auf eine grundsätzlich gewaltfreie Erziehung existiert in Deutschland erst (!) seit dem Jahr 2000. Seit gut 30 Jahren rückt die Thematik des sexuellen Missbrauchs immer weiter in das Rechtsbewusstsein. Das Strafmaß wurde im Laufe des letzten Jahrhunderts schrittweise angehoben.

Vgl. Quelle: Fegert et al.:„Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Ein Handbuch zur Prävention und Intervention für Fachkräfte im medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Bereich“, 2015. Auszug (S. 28f.) und  http://www.grin.com/de/e-book/107406/kinder-als-opfer-des-sexuellen-missbrauchs

Die Antike ist Vergangenheit. Der sexuelle Missbrauch geschieht auch in unserer Epoche
 
Und schon sind wir wieder im Jahr 2016 angelangt. Mehrere Reformen des Sexualstrafrechts erfolgten. Die letzte erst in diesen Tagen („Nein heißt nein“). Die Historie macht deutlich, welche tiefe Verankerung der sexuelle Missbrauch an Kindern in der Geschichte der Menschheit hat. Vielleicht macht die Erkenntnis ein bisschen Mut. Können wir doch erkennen, dass in unserer Epoche das Rechtsbewusstsein stärker wird und die Schritte der Bekämpfung im Verhältnis zügiger vonstattengehen.

Ein kleiner Wermutstropfen. Denn Fakt ist:

Die damaligen Gegebenheiten sind Vergangenheit. Das ändert jedoch nichts daran, dass sexueller Missbrauch nach wie vor tagtäglich geschieht.

Mit dem nächsten Beitrag bleiben wir in der Gegenwart und betrachten gemeinsam, wie wir Kinder in der heutigen Zeit stärken und schützen können.

 

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Petra Penz schreibt ein Mango- Kochbuch

 

Text:Petra Nann I Bildquelle: pixabay / Fotolia Urheber: S.Kobold

2 Comments

  1. A moi seg ma uns wieder – #imländle

    21st Sep 2016 - 11:52

    […] Wir können auch die Welt von anderen besser machen. Gemeinsam mit #imländle gegen sexuelle Gewalt … […]

  2. Kindergartenkinder stärken und schützen – imlaendle.me

    17th Feb 2017 - 17:41

    […] Thema sexualisierte Gewalt an Kindern. Im ersten Beitrag erkläre ich, warum ich das tue, mit dem zweiten schauen wir uns die Historie dieser tragischen Thematik an. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in […]

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