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Mein Onkel Franz

Mein Onkel Franz

Menschen & Lifestyle I Ursula Schmid I Aalen
Schriftstellerin Ursula Schmid erzählt von ihrem Onkel. Eine rührende Geschichte über einen barschen Kerl, der sich trotz Krankheit für das Leben entschied.

Mein Onkel Franz war der ältere Bruder meines Vaters und wohnte mit meiner Tante in der Nachbarschaft. Rein äußerlich glichen sich die beiden Brüder sehr, aber im Wesen waren sie trotz einiger Gemeinsamkeiten doch sehr verschieden. Mein Onkel Franz war ein richtiges Original und hatte einen Spitznamen: Der Achtel. Das kam daher, dass er sehr gerne in bestimmten Wirtschaften saß und sich ein Achtel Wein bestellte und nach diesem, sagte er, werde er dann nach Hause gehen. Wenn er so um 22.00 Uhr sagte, er bestelle sich jetzt sein letztes Achtel, so war das in der Regel so, dass er um 3.00 Uhr morgens immer noch da saß und sich sein letztes Achtel bestellte.

Er konnte barsch und humorvoll sein

Er konnte sehr barsch, unsachlich und unfair werden. Diese Eigenschaften sind bei meinem Vater so gut wie nicht vorhanden. Auf der anderen Seite konnte mein Onkel Franz umgänglich und sehr humorvoll sein. Diese Eigenschaften hatte er mit meinem Vater gemein. Das Hobby meines Onkels waren Hühner und Hähne, aber nicht so sehr der Eier wegen sondern der Schönheit wegen. Bei Ausstellungen gab es da schon mal Preise und entsprechende Urkunden das Federvieh betreffend. Die Eier, die diese Hühner legten, waren da nur ein positiver Nebeneffekt.

Eines Tages kam Onkel Franz zu uns in den Garten. Gartenarbeit ist wiederum ein Hobby meines Vaters und Onkel Franz hatte ein großes Beet innerhalb unseres Gartens. Wir haben nie begriffen, warum mein Onkel Franz, der sich nicht so sehr um das Angepflanzte kümmerte, das schönere und größere Gemüse hatte als wir. Nun, wir waren nicht neidisch, wir zogen das ins Lächerliche. „Onkel Franz, möchtest du eine Flasche Bier trinken?“, fragte ich. Onkel Franz nahm das sehr gerne an und setzte sich auf die Gartenbank. Auf einmal hörte ich von Seiten meines Onkels ein leises aber doch sehr auffälliges: „Krrrrrrrrr!“ Ich entsinne mich noch wie mein Onkel hochfuhr und sich schleunigst verabschiedete ohne überhaupt einen Schluck aus der Bierflasche genommen zu haben. „Ursula, ich muss nach Hause!“, brachte er noch hervor. Onkel Franz war im Hühnerstall gewesen. In seine weiten Hosentaschen hatte er die eingesammelten Eier gesteckt. Vergessend, dass er die Eier in der Hosentasche hatte, hatte er sich auf die Bank gesetzt. So kam es, dass mein Onkel Franz Rühreier in seiner Hosentasche hatte.

Mit den Jahren kamen die gesundheitlichen Probleme

Mit den Jahren kam es, dass mein Onkel Franz sehr große gesundheitliche Probleme bekommen hatte. Ihm wurden zunächst am rechten Bein die Zehen abgenommen, dann das Bein selbst und zuletzt auch noch das linke Bein bis zum Knie und Onkel Franz saß im Rollstuhl. Er war dafür bekannt, nicht aufzugeben und sich immer wieder Ziele zu setzen, für die es sich zu leben lohnte. So sprach er von seinem 80. Geburtstag und dann vom 85. Geburtstag. Schließlich sollte es noch die Goldene Hochzeit sein. Dies alles ging im Rahmen seiner gesundheitlichen Probleme einher. Bei seiner Goldenen Hochzeit war er 87 Jahre alt und es war auch sein Wunsch, diese mit einer Riesenfeier zu begehen. Diese Feier war „sein“ Fest.

Dann gab er auf

Dafür lebte er noch, und da saß er schon im Rollstuhl. Der Gesangverein sang drei Lieder und danach hielt der Vorstand des Vereins meinem Onkel und meiner Tante eine schöne Rede. War alles schon etwas anrührend. Nach der Rede meinte mein Onkel ganz trocken zum Vorstand: „Du entschuldigst schon, dass ich jetzt nicht aufstehe und einfach sitzen bleibe!“ Uns blieb das Lachen im Hals stecken. Ab diesem Zeitpunkt hat mein Onkel aufgegeben und er wollte einfach nicht mehr. Nicht mal drei Monate später ist er dann gestorben.

 

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Text: Ursula Schmid

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