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Ein Monsieur im Ländle „Die Sache mit Giselle“

Ein Monsieur im Ländle „Die Sache mit Giselle“

Kolumne Brezel trifft Baguette  I Silke Porath I Balingen

Manchmal bin ich ein bisschen eifersüchtig. Auf meinen Papa. Weil der sich mit meinem Monsieur dermaßen gut versteht, dass ich abgeschrieben bin. Glauben Sie nicht? Dann bitte:

Wir saßen ganz gemütlich beim Vesper. Was für Franzosen am Abend undenkbar ist, eigentlich. Da wird die Küche ja erst um acht Uhr abends angeworfen. Ohne mindestens einen warmen Gang geht Monsieur sonst nicht ins Bett.

Vielleicht also musste er sich das Wurstweckle bei den Schwiegereltern schönsaufen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie er nach zwei mit meinem Vater verkosteten Flaschen Bordeaux von fünf winzigen Williamsgläsern, gebrannt auf der Alb, aus den Socken gehauen wurde. Das kam ziemlich plötzlich, nach dem sechsten Glas drängte er zum Aufbruch. Verabschiedete sich artig und aufrecht. Trat nach draußen und damit in die übelst kalte Winterluft. Was auch bei Galliern zum sofortigen Totalausfall der Motorik führt. Alkohol plus Sauerstoff gleich Hochsee im Sturm.

Die Heimfahrt (ich saß am Steuer!) dauerte drei Mal so lang wie üblich. Kaum beschleunigte ich auf über 20 km/h fing es auf dem Beifahrersitz zu jammern an. „Fahr nisch so schnöhll!“ Ich habe also quasi das Auto um jede Kurve getragen, als wäre es ein rohes Ei.

Zu Hause angekommen drückte mein Monsieur mir einen Bisous auf den Mund und machte sich mehr oder weniger im Allradbetrieb an den Aufstieg Richtung Schlafzimmer. Wo er auch ankam und mit einem „Ergruhsagg!“ ins Springbockbett sank. Ich sah in der Zwischenzeit nach, wo die Kopfschmerztabletten waren, die er am nächsten Morgen (oder Mittag) sicher brauchen würde. Als ein markerschütternder Schrei von oben kam: „Giselle! Giselle!“

Pardon? Ich heiße nicht Gisela. In meinem Magen wurde der Wechselstoff angekurbelt. War da eine andere Frau im Spiel? Wer zum Teufel war Giselle? Ich stürmte nach oben, riss die Tür zum Schlafzimmer auf und … fand einen ziemlich blassen Monsieur vor. Mit letzter Kraft hauchte er: „Mon amour, bitte bring misch ein Schissälll.“

Er hat die Schüssel übrigens nicht gebraucht. Und seit diesem Abend keinen Schnaps mehr getrunken.

Brezel trifft Baguette

Silke Porath und ihr Monsieur leben mitten #imländle auf 100 Quadratmetern französischem Territorium.

Mehr #imländle

Ergruhsagg

Darauf ein Skötsch

 

0 Comments

  1. Ein Monsieur im Ländle „Vive la France“ – #imländle

    13th Mai 2016 - 9:45

    […] Die Sache mit Giselle […]

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