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Ein Mensch der Möbel und Mut macht

Ein Mensch der Möbel und Mut macht

Menschen & Lifestyle I Dreher Design I Grosselfingen
Wenn du weißt, was du willst und für deine Träume kämpfst, bist du stark. Mit diesem Gedanken starten wir die Geschichte über Marcus Dreher. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der uns einen Einblick in sein Leben und seine Arbeit gibt. Ein Mensch, der Mut macht und uns vor Augen führt, dass manche Schwächen keine sind, würden wir sie nicht dazu machen.  

„Ich möchte ein Buch schreiben, weiß aber noch nicht ob ich bei der Gesellenprüfung oder mit meinem Kindheitstraum anfangen soll.“

Einer der vielen Sätze, die während unseres Gespräches Eindruck hinterlassen.

Ich treffe Marcus Dreher an einem Freitagabend in seinem Showroom am Viehmarktplatz. Wir sitzen an einem der schweren Holztische, er wirft seinen Autoschlüssel auf den Tisch und wir legen los. Marcus gehört die Schreinerei Dreher in Grosselfingen. Warum wir in einem „Showroom“ sitzen erzähle ich später. Ich weiß nämlich schon, wo ich anfange: Bei seinem Kindheitstraum.

Marcus wächst in Hechingen auf. Seine Schwestern sind älter, außer ihm gibt es in der Straße keine gleichaltrigen Kinder. Ein kleiner, schmächtiger Junge, dem die Silben nicht ganz so leicht von der Zunge gehen. Die doofen Dinger bleiben einfach zwischen den Lippen hängen. Marcus leidet darunter, aber lernt damit umzugehen.

Sobald er schleifen darf, spielt alles andere keine Rolle

Sobald er beim Nachbarn Thomas helfen darf, spielt das Stottern keine Rolle mehr. Der Restaurator freut sich immer über den Besuch des kleinen Jungens und der wiederum ist selig, sobald er schleifen darf. Für Marcus ist der gelernte Schreiner sowas wie für andere der Fußballtrainer. Er lernt viel bei ihm, schnitzt Tierfiguren und sogar eine Eisenbahn, die er mit nach Hause nehmen darf. Sein Talent und seine überdurchschnittliche Vorstellungskraft sind es, die ihn schon damals kleine Kunstwerke erschaffen lassen. Zu jener Zeit entsteht der Traum: Marcus will Schreiner werden.

Als Jugendlicher herangereift, sein Wunsch zum Greifen nah, boomt in den 80-igern die Metallindustrie. Wie gern würde sein Vater ihn als angehenden Maschinenbauer sehen.

Im Hause Dreher wird heiß diskutiert bis der Junior seinen Kopf schließlich durchsetzt. Sein Vater lenkte ein, die Bedingung ist schmerzhaft: Marcus muss 2 Jahre die kaufmännische Schule besuchen, bevor er mit der Lehre beginnen darf.

Die Meute schaut ihn erwartungsvoll an

Da sitzt er dann mit seinem praktischen Denken und der phänomenalen Vorstellungskraft und lauscht der trockenen Theorie. Das viele Lernen und vor allem Schreiben kostet Kraft. Als er einmal vor der Klasse steht und ein Gedicht aufsagen muss, fühlt es sich grausam an. Er vergräbt seine zitternden Hände in der Hosentasche, schließt einen Augenblick die Augen und denkt an Meister Thomas. Wie schön es wäre, wenn er jetzt bei ihm in der staubigen Werkstatt stehen könnte. Der würde auf ein doofes Gedicht pfeifen und ihm ein Stück Holz auf die Werkbank legen. Ein Rennauto würde er daraus schnitzen. Einen wendigen Flitzer. Am liebsten würde er jetzt in einem richtigen Auto sitzen. Mit dem könnte er abhauen und zu seinem geliebten Nachbarn und in die Sicherheit heizen. Auf der Fahrt würde er die Musik laut drehen und es wäre scheißegal ob seine Silben ewig zwischen den Lippen hingen. Marcus blinzelt und öffnet die Augen. Die Meute schaut ihn erwartungsvoll an und er sieht in ihren Gesichtern, dass sie seinen Patzer kaum erwarten können. Er liefert was sie wollen und sie lachen. Ob es weh tut? Ja und zwar höllisch. Auch wenn es schon immer so war und er versucht, sich daran zu gewöhnen, es fühlt sich bestialisch an.

Nach zwei Jahren hat er die Kaufmännische hinter sich gebracht. Was er heute nicht weiß: Er wird noch Jahre später davon profitieren. Jetzt zählt nur Eines, endlich darf er die Lehre als Schreiner beginnen.

Von wegen Lernschwäche, jetzt bewundern sie ihn

Mit der Ausbildung wendet sich das Blatt. Marcus lernt bei der Firma Schlotterer in Bodelshausen. Schreinermeister Kaufmann glaubt ab dem ersten Arbeitstag an seinen neuen Stift. Hart, fair und herzlich, treibt er Marcus zur Höchstleistung an und schenkt ihm damit eine große Portion Selbstvertrauen.

Von wegen Kraftakt und Lernschwäche. Bereits im ersten Lehrjahr erhält er eine Belobigung für sein Können. Plötzlich ist er mehr, als nur der kleine, schmächtige Junge mit Sprachfehler. Die Mitschüler bewundern, die Lehrer loben ihn. Marcus genießt das neue Gefühl und die Anerkennung. Blenden lässt er sich nicht. Er spürt, wer es ernst meint und weiß: Erst wenn du vorne bist, mögen sie dich, auch wenn du hinten genau derselbe Mensch warst.

Nachdem er die Lehre mit Bravour beendet hat, sammelt er Erfahrungen in der Parkettindustrie, in der Möbelbranche und absolviert im Jahr 2000 die Meisterschule. Mit 24 Jahren ist er der jüngste Prüfling der Handwerkskammer Heilbronn.  Mit 25 Jahren arbeitet er weiter als Küchenmonteur, meldet sein Nebengewerbe an und baut eine Halle in Grosselfingen.  Er nimmt einen Kredit über 300.000 Mark auf und kämpft mit wenig Schlaf und viel Knochenarbeit für seinen neuen, großen Traum: Die Schreinerei Dreher. Die Halle baut er selbst. Nach vier Monaten wird eingezogen.

Die Schreinerarbeit wird zum Hauptberuf

Das Glück ist auf seiner Seite, denn eines ist er offensichtlich: fleißig. Die Schreinerarbeit wird zu seinem Hauptberuf. Es dauert nicht lange bis Marcus sich einen Namen in der Region gemacht hat. Er darf die Burg Hohenzollern, die Pfeffermühle, das Hotel Klaiber und viele andere seine Kunden nennen. Für Marcus spielt die Größe des Auftrages jedoch keine Rolle. Egal ob groß oder klein, Kunde ist Kunde.

Sein Credo: Wir machen es anders. Wenn andere links gehen, gehen wir rechts. Manchmal erscheint es bekloppt, aber genau diese Verrücktheit will sich der erfolgreiche Schreiner nicht nehmen lassen. Heute ist er über 15 Jahre im Geschäft. Vielleicht ist es genau jene Beklopptheit, die eines seiner größten Erfolgsgeheimnisse ist.

Nun wäre soweit alles erzählt, wenn es da nicht noch eine Kleinigkeit gäbe, über die es zu berichten lohnt: Einen Hocker.

Vor wenigen Jahren stellt Marcus fest, dass er im Büro einen Stuhl zu wenig hat. Klein und bequem soll er sein.  Mitten in der Nacht steht der Schreiner mit drei Brettern in der Werkstatt. Vier Stunden später sitzt er auf seinem Hocker, der verdächtig nach einem Designstück aussieht. Bereits damals spielt er mit dem Gedanken, Massivholzmöbel zu fertigen. Das Tagesgeschäft frisst die Zeit und somit die Idee immer wieder auf.

Sein Schicksal hilft ihm auf die Sprünge

2014 hilft ihm das Schicksal auf die Sprünge. Eine Künstlerin aus Stuttgart gibt einen Beistelltisch für Ihre Vernissage in Auftrag. Es soll ein kleiner Blickfang werden, auf dem sie ihre Flyer und Visitenkarten präsentieren kann. Wieder steht Marcus nachts in der Werkstatt. Vor ihm 5 Meter lange Eichendielen aus dem Sägewerk Tübingen und noch mehr Holz aus den Grosselfinger Wäldern. Eine Skizze zeichnet er nicht. Er stellt sich vor, wie der Tisch aussehen soll und beginnt mit seinem Werk. Die Nacht reicht nicht aus. Während er tagsüber daran arbeitet, sprechen ihn die ersten Kunden darauf an. Ob der Dreher wieder spinnt? Tut er nicht. Noch vor Fertigstellung des ersten bekommt er die Bestellung für den nächsten Tisch.

Auch wenn das Unikat mit Maßen von 2,50 m auf 1,10 m ein recht großer Beistelltisch geworden ist, seine Kundin und viele Besucher der Vernissage sind schlichtweg begeistert.

Marcus und Martin starten durch

Da Marcus ab und an auch privat unterwegs ist und die Engelbert-Strauss-Robe in diesen Fällen im Schrank hängen bleibt, kauft er sein Freizeitoutfit liebend gerne im Hilfiger Store in Sindelfingen. Er ist Stammkunde, der Verkäufer seines Vertrauens heißt Martin. Auch er ist ein Ass in dem was er tut: Seine Leidenschaft liegt im Vertrieb. Der junge Mann ist begeistert, als er von Marcus‘ Möbelgeschichte erfährt. Die beiden spinnen gemeinsam. Im Frühjahr 2015 wird die Idee zu einer konkreten Vision.

Ein Tisch braucht zwei Stühle und eine Sitzbank. Das i-Tüpfchelchn ist ein Schüttelbrett für Weinflaschen. Marcus verbringt wieder Nächte in seiner Werkstatt, wieder zeichnet er nicht, er baut. Bald ist die erste Möbelkollektion komplett und der Prototyp fertiggestellt.

Die Herren melden Patent an

Die Herren melden Patent an und es klappt – Die Dreher Möbel sind demnach weltweit einzigartig und somit geschützt. Martin hat mittlerweile seinen Job in der Modebranche gekündigt und stellt mit dem Schreiner ein Vermarktungskonzept auf die Beine.

Seither ist wenig Zeit vergangen aber viel passiert. Martin kümmert sich um die Homepage, den Onlineshop und die Broschüren. Die Marke Dreher Design nimmt Gestalt an. Der Showroom am Viehmarktplatz ist eröffnet, ein weiterer in Stuttgart geplant und die ersten Unikate sind verkauft.  Neben der Kollektion entwirft Dreher Design individuelle Möbelstücke nach Wunsch. Von der Garderobe bis hin zur Badlösung ist alles dabei.

Martin baut den Vertrieb auf und arbeitet nebenher im Büro der Schreinerei. Würden die smarten Jungs eine Bürofachkraft finden, könnte sich der Verkäufer zu 100 % auf das neue Projekt konzentrieren. Aber auch dafür wird sich eine Lösung finden und Marcus Dreher ist sich sicher: Der Weg ist das Ziel. Und damit hat er Recht.

Mir hat das Interview mit dem Schreinermeister sehr imponiert und mein Resümee geht leicht von der Hand:

Wenn ich an Marcus denke, überlege ich, wie es sich anfühlt, wenn man als Kind und über Jahre hinweg gehänselt wird. Wenn Silben stolpern und das ein Fehler ist. Es gibt viele Fehler, die wir Menschen machen, die man nicht hören oder sehen kann, die jedoch tatsächlich eine Schwäche sind. Dürfen wir uns anmaßen, etwas als mangelhaft zu bezeichnen, nur weil es nicht der Norm entspricht?

Marcus ließ sich davon nicht unterkriegen. Vielleicht hat ihn die harte Zeit von damals zu dem gemacht, was er heute ist. Neben seinem unermüdlichen Fleiß, seiner überdurchschnittlichen Vorstellungkraft und seinem handwerklichen Geschick, scheint er eines verstanden zu haben: Wenn Du für das kämpfst was dir wichtig ist, kannst du alles erreichen.

Und eines noch: Das Interview dauerte zwei Stunden. Während dieser Zeit hat Marcus kein einziges Mal gestottert. Wie er das geschafft hat, ist eine weitere Geschichte #imländle wert.

Lieber Marcus, vielen Dank für den Einblick ein Dein eindrucksvolles Leben und Deine Arbeit. Solltest es Dich irgendwann packen: Ich freue mich heute schon auf Deinen Bestseller.

 

 Text: Petra Nann I Copyright Bildmaterial: Marcus Dreher
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Having a good ride

0 Comments

  1. #meineweltverändern Teil 2 – #imländle

    12th Jul 2016 - 13:11

    […] Marcus Dreher, ein Mensch der Möbel und Mut macht […]

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