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Streettools – having a good ride

Streettools – having a good ride

Menschen & Lifestyle I Hans-Jürgen Gompper | streettools I Balingen/Rosenfeld
Ein Junge, der einst Pfarrer werden wollte, entdeckt die Leidenschaft für Fahrzeuge. Jahre später tauscht er sein Kettcar gegen „richtige Gefährte“ aus und wird Fahrzeughändler. An einem diesigen Sonntagnachmittag sitzt der Geschäftsmann aus Leidenschaft in seinem Ohrensessel und lässt sich vom TV-Programm berieseln.  Nicht ahnend, dass ihm in wenigen Sekunden der Puls in die Höhe schnellt, er puren Rock´n Roll verspürt und sein Leben nochmal eine ganz neue Kehrtwende nimmt. Hans-Jürgen – let´s rock it.

Bereits als ganz kleiner Knirps dachte ich praktisch und wollte Pfarrer werden. Jedoch war es nicht die Kirche, die mich faszinierte. Fälschlicherweise ging ich damals davon aus, dass man als Pfarrer nur sonntags arbeiten muss und den Rest der Woche frei hätte. Irgendwann, noch im frühen Vorschulalter, überwog dann die Faszination für Autos und somit war der Pfarrer ad acta gelegt.

Ich parkte mein Kettcar im Hof und schlich in die Werkstatt

Sobald ich es einrichten konnte, parkte ich mein Kettcar auf dem Hof des benachbarten Ford-Händlers, schlich in die Werkstatt und schaute den Mechanikern bei der Arbeit zu. Jahre später sattelte ich vom Kettcar auf „richtige“ Gefährte um und wurde selbst zum Fahrzeughändler.

Die Zeit verging, mein Hobby war – zumindest teilweise – zum Beruf geworden, meine Kunden waren zufrieden. Was wollte „Mann“ mehr? Genau das dachte ich. Bis ich, an einem trüben Sonntagnachmittag, in meinem Ohrensessel vor dem Fernsehen saß und mein Puls schlagartig in die Höhe schoss. Eine ganz neue Erfahrung. Bis zu dem Zeitpunkt ahnte ich alter Hase nicht, dass mich irgendein Fahrzeug jemals so aus dem Sessel reißen könnte. Fragt mich nicht, warum ich 50 Jahre alt werden musste, bis ich diesen Adrenalinkick erleben durfte. Meine komplette Aufmerksamkeit war im Bruchteil einer Sekunde von 0 auf 180. Instinktiv lehnte ich mich vor, wechselte meine Relax-Stellung in eine angespannte Haltung und ballte die Fäuste. Hermann Gassner Junior, ein deutscher Rallyefahrer, heizte in einem QUADIX BUGGY über den Bildschirm und mit Vollgas in mein Herz.

Was der Reporter sagte, klang für mich wie Rock´n Roll

Ich hörte den Sound der Maschine und die Worte des Reporters. Was er mit seiner rauen Stimme zu sagen hatte, klang wie Rock‘n Roll in meinen Ohren. Er sprach von geringem Verbrauch, günstigem Unterhalt durch Traktorzulassung, serienmäßiger Anhängekupplung, Allradantrieb, Stereo-Radio, USB und Subwoofer. „Leck mich die Welt am Arsch“, dachte ich, als ich mich wieder zurücklehnte, die Arme hinter dem Kopf verschränkte und von Gassner und seiner Maschine gleichermaßen geplättet wie begeistert war.

Klar kannte ich Offroad-Fahrzeuge, war ja nicht von gestern. Bisher waren sie für mich reine Nutzfahrzeuge. Die Fahrten mit den Karren waren lästig und weit entfernt von jeglichem Genuss. Ein Mittel zum Zweck eben. Jetzt war ich heiß und wollte mehr erfahren. Google sei Dank, kein Problem. Noch am selben Tag schrieb ich Jörg Braun, dem Importeur aus Bamberg, eine E-Mail. Ein paar Tage später bekam ich einen Rückruf und verabredete mich mit einem seiner Jungs auf der Freizeitmesse in Nürnberg. Jetzt wollte ich wirklich wissen, ob der Allrad-Hüpfer das bietet, was er im TV versprach. Und es war so. In Nürnberg kaufte ich mein erstes Vorführfahrzeug und brachte das Baby mit nach Hause ins Ländle.

Meine Kunden sind dieselben Freaks wie ich

Heute verdiene ich meine Brötchen mit den Freizeitgeschossen. Das Geile ist, meine Kunden sind dieselben Freaks wie ich. Wären wir an jenem Sonntag gemeinsam vor der Flimmerkiste gesessen, was wäre das für ein Fest gewesen. Der Gedanke ist jedoch ziemlich unrealistisch, denn die Herrschaften leben in ganz Deutschland verstreut. Aber egal wie weit entfernt sie sind, wir teilen alle dieselbe Leidenschaft: Mobilität verbindet uns mit dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Genussfeeling eben.

Einer meiner ersten Kunden ist zum Beispiel ein Familienvater aus der Nähe von Ludwigsburg. Er war auf der Suche nach einem Zweitfahrzeug. Eines mit Allrad, mit dem die Familie mühelos zu ihrem Schrebergarten, der schwerlich zu erreichen ist, fahren kann. Weil er bei einem Ludwigsburger Händler in seinen Augen nicht gut beraten wurde, kam er zu mir in unser beschauliches Balingen. Im Schlepptau seine Frau und seine kleine Tochter. Die Erstklässlerin sah nicht wirklich glücklich aus, als sie bei mir im Laden stand. Papa hatte ihr erzählt, dass eine ganz tolle Überraschung auf sie wartete. Wahrscheinlich rechnete klein Jana damals mit einem Puppenhaus von Barbie. Ihren Blick werde ich nie vergessen, als sie vor meiner schwarzen Karre ohne Dach stand und den Tränen nahe war. Kein Glitzer, kein Chichi – nur ein purer Buggy eben.

Mir war klar, dass ich die Situation retten musste. Kurzerhand schickte ich Vati und Kind auf eine Probefahrt. Wie es schien, hatte ich die richtige Entscheidung getroffen. Nach der Rückkehr war Jana nicht nur überglücklich, sie wollte gar nicht mehr aus der Karre aussteigen.

Zwei Wochen später stand der neue Familienbuggy zur Abholung bereit. Diesmal konnte Jana den Besuch #imländle kaum erwarten. Sie half mir, die Kennzeichen zu montieren. Waren ja schließlich auch ihre Initialen und ihr Geburtsjahr darauf verewigt. Bevor sie heimfuhren, kramte das Mädel aus ihrem kleinen, lila Täschchen ein paar selbst geknüpfte Loom-Armbändchen. In Fahrzeugfarbe versteht sich. Jeder von uns bekam eines geschenkt und diesmal war ich es, der mit den Tränen kämpfen musste.

Er fährt seine Tochter mit dem Buggy zum Ballett

Ein paar Monate später telefonierte ich mit ihrem Vater und wieder klang eine Stimme, wie Rock‘n Roll in meinen Ohren. Seine Tochter konnte sich ein Leben ohne den Buggy nicht mehr vorstellen. Sie liebte es, mit Papa oder ihrer Mama durch die City zu cruisen und in den Schrebergarten zu fahren. Das Highlight war, wenn ihr Vater sie mit dem Buggy zum Ballett brachte. Da staunten die anderen Mädels nicht schlecht, Jana war im Glück und ich fand‘s großartig.

Bei einem anderen Kunden ersetzt der QUADIX BUGGY gleich drei Fahrzeuge. Hintergrund ist, dass der Waldbesitzer sich einen Hund anschaffte. Den Vierbeiner konnte er weder auf dem Traktor, noch auf seinem Quad mitnehmen. Blieb also nur der Transporter, dem es für den Einsatz im Wald jedoch die an Wendigkeit fehlte. Für ihn war der Buggy mit seinen 700 kg Anhängelast ein Segen. Er deckt alle Anforderungen ab und erklimmt, laut Aussage seines Besitzers, selbst unwegsamstes Gelände ohne Probleme.

Mein bisher weitester Kunde, ein Handwerksmeister aus Schleswig-Holstein, tauschte zum Wohlwollen seiner Familie das Motorrad gegen einen unserer Buggys aus. Seitdem erstattet er mir regelmäßig Bericht über seine ausgedehnten Touren auf den Straßen und Wegen entlang der Nordsee. Ab und zu, so sagte er, könne er mit dem fahren gar nicht mehr aufhören, so schön ist das. Auch seine beiden Töchter teilen inzwischen sein Hobby, und es bedarf mittlerweile klare Absprachen, damit Papi nicht ständig vor der leeren Garage steht.

Natürlich gibt es im Offroad-Bereich auch Pokaljäger, die ihren Buggy als reines Sportgerät nutzen. Da werden am Wochenende schon mal bis zu zweihundert Kilometer auf abgesperrter Piste zurückgelegt. Stressabbau nennt sich so was. Und wenn man am Ende dann noch auf dem Siegertreppchen landet und einer meiner Buggys dabei sein darf, dann hat sich‘s doch wieder mal gelohnt.

Stressabbau nennt man das

Dank meines schwäbischen Tüftlergeistes steht den Kunden, die Ihren Buggy bei mir kaufen, ein kleines bisschen mehr Ausstattung und Service zur Verfügung als allen anderen. Aus diesem Grund entwickle ich mich und mein Angebot auch ständig weiter. Meine Kunden danken es mir und kaufen Buggys mit Zubehör „made im Ländle“. Der Erfolg gibt mir Recht und ja, darauf bin ich wirklich stolz.

Doch ich will ehrlich sein. Wie fast überall gibt es auch bei mir eine Kehrseite der Medaille. Neben Freuden, die ich mit meinen Kunden und dem Buggy-Handel habe, gibt es Leute, denen man besser nichts verkaufen sollte und die einen echt nerven können.

Da war zum Beispiel ein Kunde, der in meinem Online-Shop ein Moped kaufte. Als ich es verladen habe, war es völlig intakt, glaubt mir das. Zwei Wochen nach Anlieferung kam die große Reklamation: Ein beschädigter Benzinschlauch. Der junge Herr wollte partout nicht einsehen, dass ich nicht explizit wegen diesem Stück Gummi für drei Euro fünfzig nach Wuppertal fahre, um es auszutauschen.

Noch bevor ich für das Problem eine adäquate Lösung finden konnte, hetzte er einen Anwalt auf mich und hinterließ auf meinem Facebook-Profil eine schlechte Bewertung. Sowas bringt meinen Puls auch nach oben, nur ohne Rock’n Roll. Das geht dann schon eher Richtung Heavy Metal.

SkyTEAM ist Kult

Aber nun gut. Kümmern wir uns lieber um die guten Dinge. Die Mopeds von SkyTEAM, auch geil. Fans sind einerseits diejenigen, die in ihrer Jugend mit der legendären HONDA DAX durch die Lande düsten und sich im fortgeschrittenen Alter nochmals mental in die wilden 70er zurückversetzen wollen. Zum anderen stehen die Wohnmobilisten ziemlich auf die kleine DAX-Replika. Die Lady passt durch ihre kompakte Bauweise mühelos quer in jedes Wohnmobil. SkyTEAM hat meines Erachtens einen wahren Kult-Status erreicht.

Ja, das ist mein Leben mit Buggys, Mopeds und Motoren. Noch heute danke ich dem Rallyefahrer von damals, dass er an jenem trüben Sonntag über meinen Flimmerkasten geheizt ist. Wäre dieser Zufall nicht gewesen, wer weiß, ob mich die Leidenschaft jemals dermaßen gepackt hätte. Wobei wartet mal … wer behauptet, dass es Zufall war?

In diesem Sinne »having a good ride«.

Euer Hans-Jürgen von Streettools

by the way… kommendes Wochenende nehmen wir, bei hoffentlich brauchbarem Wetter, aktiv am Tag der offenen Tür der Firma QUADMANIA in Schömberg teil. Für den Fall, dass ihr  die „Buggy- und Quadfreaks“ in geballter Ladung live erleben möchtet.

quadmania tag der offenen tür

 Copyright Bildmaterial: Hans-Jürgen Gompper

0 Comments

  1. Ein Mensch der Möbel und Mut macht – #imländle

    6th Mai 2016 - 17:02

    […] Having a good ride […]

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