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Schulen und ein Krankenhaus für Nepals Erdbebengebiet

Schulen und ein Krankenhaus für Nepals Erdbebengebiet

Menschen & Lifestyle I Anne Retter I Albstadt
Anne Retter ist eine freie Journalistin und Texterin, die in Albstadt lebt und arbeitet. Sie hat bereits einige Artikel #imländle veröffentlicht und bereichert den Blog heute mit einem ganz besonderen Bericht. Lernt den Tübinger Dr. Matthias Baumann und sein bewundernswertes Engagement kennen. Lasst Euch von der unermüdlichen Hilfsbereitschaft des Mediziners und den beeindruckenden Bildern Nepals inspirieren.

Die Ereignisse im vergangenen Jahr haben die nepalesische Bevölkerung schwer getroffen: Knapp ein Jahr nach dem größten Unglück in der Geschichte des Mount Everest ereilte das kleine Land am 25. April 2015 eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes: Ein schweres Erdbeben zerstörte Häuser und Infrastruktur, es gab fast 9.000 Todesopfer, 22.200 Verletzte, rund 1.062.000 Gebäude wurden ganz oder teilweise zerstört.

Der Wiederaufbau beginnt erst jetzt. Dafür gibt es einen Grund: Im September 2015 verabschiedete Nepal nach langjährigen Konflikten eine neue Verfassung. Durch diese sah sich die Volksgruppe der Madhesi – eine an der südlichen Landesgrenze zu Indien lebende Minderheit – nicht ausreichend berücksichtigt. Sie forderten auch für sich die vollen Bürgerrechte, es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, rund 40 Menschen starben.

Die Madhesi blockierten über Monate hinweg die Grenze zum großen Nachbarland und schnitten Nepal damit von der Versorgung mit Sprit, Baustoffen und Hilfslieferungen aus dem Ausland ab. Seit zwei Monaten sind die Grenzen nun wieder passierbar. „Es war eine Katastrophe nach der Katastrophe“, erzählt Dr. Matthias Baumann. Der tatkräftige Mediziner, der #ImLaendle zuhause ist, engagiert sich in Nepal für den Wiederaufbau. „Es ist für mich sehr schwierig gewesen, mich an dieses schleppende Tempo zu gewöhnen. Als Chirurg will ich ein Problem immer möglichst schnell beseitigen!“

Ein Siegertyp mit Bodenhaftung setzt sich für die Nepalesen ein

Für sein humanitäres Engagement dankte ihm Bundespräsident Joachim Gauck persönlich: Dr. Matthias Baumann ist ein sympathischer Enthusiast von der Sorte, die die Welt dringend braucht. Als Chirurg Leben zu retten ist die eine Sache. Sich angesichts humanitärer Katastrophen auch persönlich für Menschen zu engagieren, eine ganz andere. Baumann tut dies seit langer Zeit überaus planvoll und aus Überzeugung. Er ist ausgebildeter Unfallchirurg, Oberarzt an der BG-Klinik in Tübingen, Teamarzt der deutschen Radnationalmannschaft, Höhenmediziner und Notarzt im alpinen Rettungshubschrauber – die berufliche Vita des 1971 geborenen Truchtelfingers ist eindrucksvoll.

Seine sportlichen Erfolge auch: Baden-Württembergischer Landesmeister im Ringen, Finisher des Ironman-Triathlon und Teilnahme an verschiedenen Extremsportwettkämpfen, außerdem die Ausbildung zum Hochtourenführer des Deutschen Alpenvereins. Baumann hat weltweit diverse 7000ern und 8000ern bestiegen. Zweimal war er schon am Mount Everest. 2014 befand er sich im Basislager, als 16 Sherpas von einer Lawine in den Tod gerissen wurden.

Baumann besuchte direkt danach alle Familien, die ihren Ernährer durch das Unglück verloren hatten. Er gründete die Everest Sherpa Foundation, um den verwaisten Kindern und ihren Müttern zu helfen. Rund 100.000 Euro konnte er inzwischen sammeln, 50 Patenschaften einrichten. Etwa die Hälfte hat er vermittelt, die andere trägt seine Stiftung direkt. Die Kinder können zur Schule gehen. Oder könnten, wenn es denn eine Schule gäbe: „Nach wie vor leben viele Nepalesen in Zelten. Auch ein Jahr nach dem Erdbeben findet selbst der Unterricht noch in Zelten statt“, berichtet der Arzt.

Schulen und ein Krankenhaus statt Waisenhäusern

Der Tübinger hatte sich vorgenommen Waisenhäuser zu bauen. Da es aber nach dem Erdbeben 2015 eine Zunahme von Fällen gab, in denen organisierte Banden Waisen unter dem Vorwand einer fürsorglichen Betreuung nach Indien verschleppt und dort zu Prostitution und Kinderarbeit gezwungen hatten, verschärfte Nepal die Gesetze. Der Bau eines Wohnheims ist derzeit nicht möglich, also disponierte Baumann um: Patenschaften und Bildung sollen nun für die Kinder eine Zukunft ermöglichen. „Gemeinsam mit meinen nepalesischen Partnern habe ich damit begonnen, zwei Schulen wieder aufzubauen. Für eine dritte sind die Pläne bereits fertig.“ Das wichtigste Projekt, das mit den 400.000 Euro, die der Mediziner an Spendengeldern für die Opfer der Erdbebenkatastrophe auftreiben konnte, verwirklicht werden soll, ist aber ein Krankenhaus: „Die Sherpas sind an mich herangetreten und haben gefragt, ob ich dabei helfen kann, die medizinische Versorgung zu verbessern.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Pläne existieren bereits, der Standort in der Khumbu-Region ist festgelegt, die Kosten sind kalkuliert. Nun muss das Bauland in den Bergen erworben werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst mit den Arbeiten beginnen können“, freut sich der Bauherr. Er will das Krankenhaus langfristig mitbetreuen, stellt aber klar: „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe!“ Medizinische Geräte und Spenden zu organisieren, gegebenenfalls auch Schulungen, das sei der Teil der Aufgabe, den er auch in Zukunft übernehmen wolle. „Die nepalesischen Ärzte sind gut ausgebildet. Das Himalayan Sherpa Hospital soll selbst zum Laufen kommen.“ Hilfe für das Projekt kann der gebürtige Albstädter nach wie vor gut gebrauchen. Wer sein Vorhaben unterstützen möchte, kann das mit einer Spende an Himalayan Project e.V. tun.

Spendenkonto
Himalayan Project e.V.
Kreissparkasse Biberach
IBAN DE82 6545 0070 0007 8203 31
BIC   SBCRDE66
Kennwort: „Erdbeben Opfer“

Homepage: 
www.faszination-everest.de

Bildquelle Copyright: Dr. Matthias Baumann
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0 Comments

  1. Von eiskalten Knaupern – #imländle

    1st Mai 2016 - 10:50

    […] Nepals Erdbebengebiet […]

  2. Von letzten Tagen – #imländle

    1st Aug 2016 - 11:10

    […] Nepals Erdbebengebiet […]

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