Bleib in Verbindung

Lästerschwester: Warum wir so gerne über andere reden

Lästerschwester: Warum wir so gerne über andere reden

Petra Nann I Balingen

Fast alle tun es, und wir wissen: Toll ist das nicht … Lästern. Aber haben wir es hier mit einer Bagatelle zu tun oder ist es nicht vielleicht doch etwas, das wir aus unserem Verhaltensmuster streichen sollten?

Schlechtes Gewissen, weil wir lästern? Fehlanzeige!

Wer lästert, der lügt. Wer behauptet er lästert nie, sagt nicht die Wahrheit. Da haben wir den Salat. Egal wie wir es drehen, ehrlich ist es nicht.

Ein schlechtes Gewissen verspüren wir selten. Wir kennen mindestens einen Komplizen, der mit uns das Tun oder Erscheinen eines Dritten analysiert und kritisch bewertet. Das macht die Sache nicht nur einfach, sondern auch noch amüsant. Oder habt ihr jemals im Monolog gelästert und dabei Spaß gehabt? Eben. Denn dann wäre es ja auch nicht das, was es ist: lästern.

Aber was ist damit eigentlich gemeint? Der Duden beschreibt das schwache Verb wie folgt: „Sich über jemanden [der abwesend ist], über etwas abfällig, mit kritischen oder ein wenig boshaften Kommentaren äußern.“

Warum Lästern für uns ok scheint

Zur leichten Disziplin zählt, über Fremde zu spotten. Im vertrauten Kreis ziehen wir über jemanden her, den wir nicht kennen. Kicher nd oder mit kollektivem Kopfschütteln, kritisieren wir dessen Optik oder Verhaltensweise, um unsere Aufmerksamkeit anschließend wieder den wichtigen Gesprächsthemen zu widmen. Das „Opfer“ wird nie erfahren, dass wir für einen Moment auf dessen Kosten ein Wohlbefinden verspüren durften.

Darum geht es nicht? Warum haben wir es dann getan? Hätten wir betreffende, vermeintlich schlecht gekleidete Person zum Anhalten animiert und ihr unsere wüsten Gedanken ins Gesicht geschleudert, dann wäre das ganz schön unangenehm geworden – nicht nur für sie, sondern auch für uns. Also nochmal: Wir haben es getan, weil es Spaß gemacht hat und das nur deshalb, weil wir es hinter dem Rücken des „hässlichen Entleins“ vollzogen haben. Da wir nie mit dessen Leid in Berührung kommen und das Entlein unwissend und froh weiter plantschen darf, fühlen wir uns unschuldig. Wo kein Kläger, da kein Richter – bei der nächsten Gelegenheit, dürfen wir unbefleckt weiterschmähen.

Eine wesentlich heiklere Situation: lästern über Freunde

Spannend wird es, wenn wir uns dazu bei Menschen aus unserem Bekannten- oder Freundeskreis hinreißen lassen. Denn: hier gehen die Motive meist tiefer und sind vor allem persönlicher. Oftmals gaukeln wir uns selbst vor, dass es sich nicht um die Lust am Lästern dreht. Nein, wir machen uns Sorgen, die ausgesprochen und diskutiert werden müssen. Aber wenn wir so sehr um das Wohlergehen dieser armen Seele bangen, warum sprechen wir sie nicht darauf an? Machen auf den Missstand aufmerksam und versuchen aufrichtig zu helfen?

Oder fehlt uns schlichtweg das Verständnis für die Verhaltensweise der betroffenen Person? Kritisch betrachtet könnte man meinen, unser Intellekt besitzt nicht den nötigen Weitsinn, um die Handlungen unseres „Opfers“ nachvollziehen zu können. Oder haben wir sehr wohl verstanden und reden, weil uns der Neid dazu treibt?

Du bist falsch und ich bin richtig

Letztlich ist es auch gleich, denn am Ende geht es doch sowieso nur darum, sich selbst zu versichern: das, was beim Gegenüber schief läuft, läuft bei uns richtig. Mit dem weiteren schönen Nebeneffekt, dass sich unser Ego ohne Anstrengung und selbstgefällig in der Sonne aalen kann.

Wir reden uns das Lästern also einfach schön, weil uns niemand dafür belangt und weil wir uns so – auf Kosten anderer – für kurze Zeit besser fühlen können.

Aber, ist das wirklich auch nur annährend in Ordnung? Wie wäre es, wenn wir statt immer auf den Nächsten zu schielen, uns einfach mehr mit uns selbst auseinandersetzen würden? Fehler würden wir sicher ebenfalls zu Genüge finden – doch im Gegensatz zu gemeiner Lästerei hätten wir bei uns auch die Chance, wirklich was zu ändern oder zu akzeptieren und so unser Selbstwert zu steigern, ohne einen faden Beigeschmack haben zu müssen.

 

Bildquelle copyright fotolia

Kommentar verfassen

×
%d Bloggern gefällt das: