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LEA Meßstetten – ich war mittendrin.

LEA Meßstetten – ich war mittendrin.

Cordula, 36 Jahre I Weilstetten

Cordula berichtet über ihren Besichtigungstermin in der LEA Meßstetten. Sie lässt uns an ihren persönlichen Eindrücken und Schilderungen teilhaben.

Die LEA Meßstetten ist die erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. In Meßstetten sind die Flüchtlinge nicht länger als 4 Wochen. Danach werden sie auf die nächsten Stationen verteilt.

Für Cordula war es an der Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Was war dran an den Gerüchten, die im Ländle über die Flüchtlinge in Meßstetten kursieren?

Im Dezember 2015 war Cordula vor Ort und machte sich ihr eigenes Bild. Eine Dame vom Regierungspräsidium führte sie gemeinsam mit ungefähr 20 weiteren Interessierten über das Gelände und stand Rede und Antwort.

In der Landeserstaufnahmestelle, kurz LEA genannt, werden die Menschen registriert, das heißt, ihre Identität wird festgestellt. Es werden Fingerabdrücke genommen, Ausweise erstellt, medizinische Erstversorgungen durchgeführt und zum Teil Asylanträge gestellt.

Die Flüchtlinge können ehrenamtlich arbeiten.

Die Flüchtlinge können die LEA mit ehrenamtlichen Jobs unterstützen und erhalten dafür 1,05 € auf die Stunde. Die Jobs werden von den Flüchtlingen gerne angenommen. Sie helfen bei der Kinderbetreuung, Müllentsorgung, Essensausgabe, dem Wäschedienst, dem Sortieren und Ausgeben der Klamotten und allem was ansteht.

Kinder und Jugendliche werden von humanitären Organisationen besonders unterstützt. Hilfe erhalten sie dabei von ausgebildeten Erziehern und den Bewohnern selbst. Die Kinder werden nach Alter in Gruppen aufgeteilt, betreut und unterrichtet. Dies alles geschieht auf freiwilliger Basis. Kindergartenkinder dürfen malen, spielen und vor allem eines: Kind sein. Die etwas Älteren werden in Fächern wie Deutsch oder Mathe unterrichtet.

Sie waren freundlich.

Alle Menschen, die wir in der LEA angetroffen haben, waren freundlich. Jeder hatte ein „Hallo“ oder „Wie geht es Ihnen?“, und ein Lächeln auf den Lippen.

Man hört oft, es wären nur junge Männer, keine Frauen, keine Kinder… Was soll ich sagen? Ich habe schon lange nicht mehr so viele Kinder gesehen. Von derzeit 2200 Bewohnern sind 1000 Kinder. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, sie machen einen guten, zum Teil erschöpften Eindruck, sind freundlich und dankbar. 80% der Bewohner sind Syrer, die restlichen 20% sind aus Afghanistan, Iran, Irak und Eritrea.

Bei der Besichtigung konnte ich mir einen Eindruck von den verschiedenen Einrichtungen verschaffen: Kantine, Schule, Registrierungsräume, Krankenstation, Wäscheausgabe und Waschräume, etc.. Alles scheint gut organisiert.

Zur ärztlichen Versorgung muss jeder, unmittelbar nach der Ankunft. Wenn jemand eine schwere Krankheit haben sollte, kommt er sofort in Quarantäne.

In Meßstetten selber gibt es kaum Registrierungen von schweren Krankheiten. Klar kann man krank werden, wenn man eine Flucht hinter sich hat, aber das meiste was die Ärzte dort behandeln sind Wasser- und Nahrungsmangel, Erschöpfung und ein schwaches Immunsystem.

Manche Menschen sind traumatisiert, auch Kinder, diese werden in schweren Fällen speziell betreut.

Dass die Flüchtlinge Krankheiten mitbringen, ist also nicht wahr. Wir müssen keine Angst vor ominösen Krankheiten haben.

Ich durfte später auch noch meinen Wäschekorb voll Süßigkeiten im Klassenraum verteilen. Dort war gerade Deutschunterricht. Die Kinder waren voller Eifer dabei und haben sich natürlich riesig über den Korb gefreut.

Am Ende hat mir dieser besondere Tag mein Herz geöffnet. Wenn man bedenkt, was diese Leute hinter sich haben ist die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und nette Ausstrahlung schwer zu verstehen.

Sie haben nichts.

Meist nur ein Handy und die Klamotten die sie am Leib tragen. Ja, fast alle Männer haben ein Handy auf der Flucht dabei, das ist aber auch schon alles. Sie waren, dort wo sie her kommen, keine armen Menschen. Normaler Mittelstand, warum soll man sich dann kein Handy leisten können?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Wildschweine aus dem Wildgehege essen oder Frauen bedrängen. Im Gegenteil! Als ich mit meinem Korb angekommen bin, durfte ich ihn nicht tragen.

Ein junger Mann hat ihn mir sofort abgenommen, als er mich gesehen hat und hat tatkräftig geholfen die Süßigkeiten zu verteilen. Alle sind sehr hilfsbereit, sehr nett und vor allem dankbar.

Wer Informationen über die Kriminalität in Meßstetten haben will, die Polizei hat jederzeit ein offenes Ohr für Anfragen über Delikte aller Art.

Macht Euch selber Euer Bild, und macht Euch auch Gedanken darüber, was passiert wenn 2200 junge Deutsche auf einem Haufen leben.

Manche Frauen tragen Kopftuch. Aber sie trösten ihre Kinder wie wir.

Manche Frauen tragen Kopftuch. Das gehört zu ihrer Religion. Sie stehen mit ihren Kindern auf dem Spielplatz, trösten das weinende Baby oder spielen Fußball mit den Jungen. Genau wie wir!

Die LEA in Meßstetten soll Ende 2016 geschlossen werden. Die Verträge laufen aus und werden höchstwahrscheinlich nicht verlängert. Zurzeit kommen täglich 10-20 Flüchtlinge in Meßstetten an. Die Zahl war vor kurzem um ein Vielfaches höher.

Ursprünglich war die LEA für 1000 Bewohner geplant. Zwischenzeitlich waren ca. 3500 Menschen untergebracht, im Moment sind es 2200 Bewohner, was aber nicht zu viel erscheint. Im Gegenteil, es kam mir eher ruhig vor. Von 2200 Bewohnern haben wir ca. 10-20 % gesehen.

Unsere Besuchergruppe beschäftigte die große Frage: „Wo sind sie alle? Warum kommen auf einmal weniger?

Es liegt wohl daran, dass die Fluchtrouten geschlossen und im Moment die Meerüberquerung zu gefährlich ist. Die wirklichen Gründe sind auch der LEA nicht bekannt. Die Leute, die ich heute sehen durfte, wollen sich integrieren. Es gibt überall solche und so welche.

Menschen, die ein freies Leben führen wollen, denen sollten wir freundlich begegnen.

Aber Menschen die einfach nur ein freies Leben führen wollen und modern, liberal der Welt aufgeschlossen ihr Leben und ihre Religion leben wollen, sollten wir freundlich begegnen.

Sie tun uns nichts. Diese Menschen tragen am wenigsten die Schuld an ihrer Situation. Wir müssen zusammenhalten, wenn wir gegen die Mächtigen dieser Welt etwas erreichen wollen.

Diese Menschen können nichts für den Krieg.

Sachspenden werden immer noch gebraucht und mit Freude angenommen.

Im Moment werden folgende Sachen benötigt:

Winterschuhe für Männer Tische, Stühle und Sportgeräte für den Kindergarten, Kinderwagen, Kleider für Kleinkinder und Teenies, Wolle, Strick- und Häkelnadeln.

Gerne könnt Ihr Euch per E-Mail imlaendle@web.de oder Facebook melden. Petra von #imländle leitet Eure Nachrichten an mich weiter. Wenn genug zusammenkommt, werde ich die Sachen nach Meßstetten bringen.
Die Spenden können auch selbständig in den Bau 48 der LEA gebracht werden, z.B. bei großen, sperrigen Dingen. Am besten man nimmt Kontakt mit dem Begegnungszentrum auf.

Eine sehr gute Langzeitreportage über die LEA Meßstetten findet Ihr unter:
http://www.swr.de/messstetten

Kontaktdaten LEA Meßstetten

Verwaltung
Tel. 07431 / 93 63-0
E-Mail: LEA.Messstetten@rpt.bwl.de
Bürozeiten:
Montag bis Donnerstag: 08:00 – 16:00 Uhr
Freitag: 08:00 – 12:00 Uhr

Begegnungszentrum LEA (ehemaliges Soldatenheim)
Tel. 07431 / 9 61 47 49
E-Mail: info-lea@DRK-Zollernalb.de
Bürozeiten:
Montag, Mittwoch: 09.00 Uhr – 12.00 Uhr
Dienstag, Donnerstag: 14.00 Uhr – 16.00 Uhr

Polizei LEA
Tel. 07431 / 93 63 124

 

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